Wer sind die Direktkandidat*innen des 9. Landtags in Sachsen-Anhalt? Das zeigt euch politikorange-Redakteurin Sophia in diesem Artikel und auf einer interaktiven Wahlkreiskarte.
Das Bild über diesem Artikel zeigt fünf Direktkandidierende der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Wie würde das Bild aussehen, sollte es fünf durchschnittliche Direktkandidat*innen darstellen? Es würde vier Männer und eine Frau mit einem Durchschnittalter von 46,2 Jahren darstellen.
Gender-Gap
Sachsen-Anhalt hat einen weiblichen Bevölkerungsanteil von über 50 Prozent. Dennoch sind nur 23 Prozent der Direktkandidierenden Frauen. In acht Wahlkreisen kandidiert keine einzige Frau: Salzwedel, Havelberg-Osterburg, Haldensleben, Aschersleben, Blankenburg, Köthen, Genthin und Staßfurt. Gleichzeitig erreichen die Wahlkreise Bernburg und Dessau-Roßlau 50 Prozent Direktkandidatinnen.
Age-Gap
Das Durchschnittsalter der Kandidierenden liegt landesweit bei 46,2 Jahre. Dahingegen liegt das Durchschnittsalter der Bevölkerung bei 48,3 Jahren, womit Sachsen-Anhalt das Bundesland mit der ältesten Bevölkerung ist. Das höchste Durchschnittsalter der Kandidierenden hat mit 54,2 Jahren der Wahlkreis Magdeburg-Süd. Das geringste Durchschnittsalter der Kandidierenden hat mit 34,2 Jahren der Wahlkreis Zerbst. Der Anteil von Kandidierenden unter 35 Jahren liegt bei 19,5 Prozent, in der Bevölkerung sind es je nach Wahlkreis 24 bis 34 Prozent. Insbesondere die unter 35-jährigen sind dementsprechend unterrepräsentiert.
Welche Berufskategorie ist in welcher Partei wie stark vertreten?
Darüber hinaus habe ich mir die Berufe der Direktkandidat*innen angeschaut und neun Kategorien zugewiesen. Bei der CDU sind mit 68,3 Prozent die meisten Direktkandidat*innen bereits Mitglieder des Landtags. Für die CDU treten keine Direktkandidat*innen der Berufskategorie „Soziales/Pflege/Bildung“ sowie keine Studierenden, Azubis oder Rentner*innen an. Bei der AfD arbeiten mit 48,8 Prozent die meisten Kandidierenden in der Privatwirtschaft. 32 Prozent der Direktkandidierenden der AfD sind bereits Mitglieder des Landtags. Auch für die AfD treten keine Studierenden oder Auszubildenden an. Für DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD gehören mit jeweils rund 30 Prozent die meisten ihrer Kandidat*innen zu der Berufskategorie „Angestellte Privatwirtschaft“. Betrachtet man die Kandidierenden aller Parteien ergibt sich folgendes Bild: Knapp ein Drittel aller Kandidierenden sind in der Privatwirtschaft angestellt, mehr als jede*r fünfte ist bereits Mitglied des Landtags.
Einschätzung des Politikwissenschaftlers Nicolas Spohn
Im Gespräch mit politikorange ordnet Nicolas Spohn, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, diese deskriptiven Repräsentationslücken ein. Deskriptive Repräsentation beschreibt, inwieweit Wähler*innen mit ihren Merkmalen vertreten werden. Neben der Frage der deskriptiven Repräsentation spielen die formale Repräsentation (Ist der (Wahl-)Prozess legitim?), die substantielle Repräsentation (Inwieweit werden meine inhaltlichen Interessen vertreten?) und die symbolische Repräsentation (Inwieweit fühle ich mich (emotional) vertreten?) eine entscheidende Rolle. Spohn fasst die Frage der Repräsentation durch Kandierende aus wissenschaftlicher Perspektive zusammen: Sozialstrukturelle Differenzen zwischen Abgeordneten und dem Bevölkerungsdurchschnitt werden erst dann zum Problem, wenn Wähler*innen sich mit ihren Interessen im Parlament nicht vertreten fühlen.
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Maximilian Enrico Loebert , Rosalie Raasch
