Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Wer fehlt auf dem Wahl­zettel?

Datum
09. September 2026
Autor*in
Sophia Johnsen
Redaktion
politikorange
Themen
#LTWSA26 #Politik
Sophia Repräsentation jpg

Jugendpresse Deutschland e.V. / Maximilian Enrico Loebert

Wer sind die Direktkandidat*innen des 9. Land­tags in Sachsen-Anhalt? Das zeigt euch poli­ti­ko­range-Redak­teurin Sophia in diesem Artikel und auf einer inter­ak­tiven Wahl­kreis­karte.

Das Bild über diesem Artikel zeigt fünf Direkt­kan­di­die­rende der Land­tags­wahl in Sachsen-Anhalt. Wie würde das Bild aussehen, sollte es fünf durch­schnitt­liche Direktkandidat*innen darstellen? Es würde vier Männer und eine Frau mit einem Durch­schnitt­alter von 46,2 Jahren darstellen.

Gender-Gap

Sachsen-Anhalt hat einen weib­li­chen Bevöl­ke­rungs­an­teil von über 50 Prozent. Dennoch sind nur 23 Prozent der Direkt­kan­di­die­renden Frauen. In acht Wahl­kreisen kandi­diert keine einzige Frau: Salz­wedel, Havel­berg-Oster­burg, Haldens­leben, Aschers­leben, Blan­ken­burg, Köthen, Genthin und Staß­furt. Gleich­zeitig errei­chen die Wahl­kreise Bern­burg und Dessau-Roßlau 50 Prozent Direkt­kan­di­da­tinnen.

Age-Gap

Das Durch­schnitts­alter der Kandi­die­renden liegt landes­weit bei 46,2 Jahre. Dahin­gegen liegt das Durch­schnitts­alter der Bevöl­ke­rung bei 48,3 Jahren, womit Sachsen-Anhalt das Bundes­land mit der ältesten Bevöl­ke­rung ist. Das höchste Durch­schnitts­alter der Kandi­die­renden hat mit 54,2 Jahren der Wahl­kreis Magdeburg-Süd. Das geringste Durch­schnitts­alter der Kandi­die­renden hat mit 34,2 Jahren der Wahl­kreis Zerbst. Der Anteil von Kandi­die­renden unter 35 Jahren liegt bei 19,5 Prozent, in der Bevöl­ke­rung sind es je nach Wahl­kreis 24 bis 34 Prozent. Insbe­son­dere die unter 35-jährigen sind dementspre­chend unter­re­prä­sen­tiert.

Welche Berufs­ka­te­gorie ist in welcher Partei wie stark vertreten?

Darüber hinaus habe ich mir die Berufe der Direktkandidat*innen ange­schaut und neun Kate­go­rien zuge­wiesen. Bei der CDU sind mit 68,3 Prozent die meisten Direktkandidat*innen bereits Mitglieder des Land­tags. Für die CDU treten keine Direktkandidat*innen der Berufs­ka­te­gorie Soziales/​Pflege/​Bildung“ sowie keine Studie­renden, Azubis oder Rentner*innen an. Bei der AfD arbeiten mit 48,8 Prozent die meisten Kandi­die­renden in der Privat­wirt­schaft. 32 Prozent der Direkt­kan­di­die­renden der AfD sind bereits Mitglieder des Land­tags. Auch für die AfD treten keine Studie­renden oder Auszu­bil­denden an. Für DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD gehören mit jeweils rund 30 Prozent die meisten ihrer Kandidat*innen zu der Berufs­ka­te­gorie Ange­stellte Privat­wirt­schaft“. Betrachtet man die Kandi­die­renden aller Parteien ergibt sich folgendes Bild: Knapp ein Drittel aller Kandi­die­renden sind in der Privat­wirt­schaft ange­stellt, mehr als jede*r fünfte ist bereits Mitglied des Land­tags.

Einschät­zung des Poli­tik­wis­sen­schaft­lers Nicolas Spohn

Im Gespräch mit poli­ti­ko­range ordnet Nicolas Spohn, wissen­schaft­li­cher Mitar­beiter der Otto-von-Guericke Univer­sität Magde­burg, diese deskrip­tiven Repräsentationslücken ein. Deskrip­tive Reprä­sen­ta­tion beschreibt, inwie­weit Wähler*innen mit ihren Merk­malen vertreten werden. Neben der Frage der deskrip­tiven Reprä­sen­ta­tion spielen die formale Reprä­sen­ta­tion (Ist der (Wahl-)Prozess legitim?), die substan­ti­elle Reprä­sen­ta­tion (Inwie­weit werden meine inhalt­li­chen Inter­essen vertreten?) und die symbo­li­sche Reprä­sen­ta­tion (Inwie­weit fühle ich mich (emotional) vertreten?) eine entschei­dende Rolle. Spohn fasst die Frage der Reprä­sen­ta­tion durch Kandie­rende aus wissen­schaft­li­cher Perspek­tive zusammen: Sozi­al­struk­tu­relle Diffe­renzen zwischen Abge­ord­neten und dem Bevöl­ke­rungs­durch­schnitt werden erst dann zum Problem, wenn Wähler*innen sich mit ihren Inter­essen im Parla­ment nicht vertreten fühlen.


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