Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Es muss sich was ändern!“ – warum die AfD verschie­dene Gene­ra­tionen erreicht

Datum
09. September 2026
Autor*in
Aleksandra Milanovic
Redaktion
politikorange
Themen
#LTWSA26 #Politik
Aleksandra Warum Af D in Generationen

Jugendpresse Deutschland e.V. / Maximilian Enrico Loebert

Sachsen-Anhalt hat Deutsch­lands ältestes Alters­durch­schnitt, aber zahl­reiche Hoch­schulen und Univer­si­täten machen es auch attraktiv für jüngere Menschen.

Am 6. September 2026 entscheiden die Wähler*innen über die poli­ti­sche Zukunft von Sachsen-Anhalt. Auffällig dabei ist das poli­ti­sche Wahl­ver­halten: Rund 44 Prozent der unter 30-Jährigen und mehr als die Hälfte der 45- bis 59-Jährigen wollen die AfD wählen. 

Wie kommt es, dass so unter­schied­liche Gene­ra­tionen in derselben Partei eine poli­ti­sche Lösung sehen?

Der letzte Wahl­kampf­stand vor der alles entschei­denden Wahl“, so kündigt die AfD ihren letzten Info­stand in Magde­burg an. Es ist 9 Uhr morgens. Wir stehen in der Magde­burger Altstadt. Noch ist wenig los. Aus der Ferne beob­achten wir, wie der Info­stand aufge­baut wird. Die ersten Tische und Plakat­auf­steller werden plat­ziert. Broschüren sowie kleine Werbe­ge­schenke werden ausge­legt. Gegen 9.30 Uhr wird der Stand offi­ziell eröffnet und die ersten Passant*innen bleiben davor stehen, schauen sich die Mate­ria­lien an oder kommen mit den Wahlhelfer*innen ins Gespräch. Auch die Spit­zen­kan­di­daten Kirchner, Kohl, Mertens und Kumpf sind vor Ort und begrüßen die Besucher*innen. Nach und nach füllt sich der Platz rund um den Stand.

Es muss sich was ändern!“

Eine 82-jährige Rent­nerin kommt uns entgegen. In der Hand hält sie mehrere Falt­blätter und Flyer vom AfD-Stand in der Hand. Ihren Namen nennt sie uns nicht. Auf die Frage, wie sie denn die AfD findet, antwortet sie kurz und entschlossen: Gut, sehr gut!“.

Auf Nach­frage wird sie konkreter: Die Verwal­tungs­ar­beit wird immer größer, mehr Leute werden einge­stellt, es sind ja alle Beamte geworden“. Beson­ders stört sie die soziale Ungleich­heit zwischen Beamten und Arbeitnehmer*innen: Die sitzen auf ihren Plätzen gut und sicher, aber das kleine Volk muss rennen“. Die AfD biete ihrer Ansicht nach Lösungen für das Problem – Aufräumen“ würde sie und damit die Verwal­tung abbauen.

Von der SPD sei sie dolle enttäuscht“. Früher habe sie keine andere Partei gewählt. Jetzt ist damit Schluss!“, sagt sie. Auch die Sicher­heit beschäf­tige sie. Es gäbe dadurch auch immer weniger Möglich­keiten, sich zu treffen. Ab 22 Uhr ist da Ritze“, sagt sie und blät­tert im Weiter­gehen nochmal durch die Broschüren der AfD.

Wir brau­chen einen Poli­tik­wechsel“

Sonntag, 14 Uhr, vor dem Magde­burger Dom: Ein 62-jähriger Mann steht mit einer Ziga­rette in der Hand auf dem Platz, auf dem am Vortag noch das Demo­kra­tie­fest statt­fand. Seine Entschei­dung ist schon längst gefallen: Er wird die AfD wählen. Auf die Nach­frage, wieso er sich auf einen mögli­chen Sieg der AfD freut, sagt er: Weil wir einen Poli­tik­wechsel brau­chen in Deutsch­land“.

Er fühle sich von der Politik belogen. Die Regie­rung hätte die Wahl­ver­spre­chen nicht einge­halten. Migra­tion und Abschie­bungen gehören für ihn zu den wich­tigsten Themen. Gleich­zeitig beschäf­tige ihn die prekäre finan­zi­elle Lage vieler Menschen im Renten­alter. Auf die Frage, ob er die AfD als lösungs­brin­gend für seine poli­ti­schen Bedenken ansehe, antwortet er: Ich denke, ja. Ich hoffe es.“ Seine Unterstützung für die Partei ist nicht neu. Die AfD wähle er seit 2015, mit einer Unter­bre­chung, in der er die FDP gewählt habe.

Was müsste die AfD tun, damit sie seiner Ansicht nach das erfüllt, was sie verspricht? Er antwortet, dass sie Krimi­nelle abschieben, damit es hier sicherer wird in Deutsch­land.“, und ascht seine Ziga­rette ab. Für den 62-jährigen selbst­stän­digen Hand­werker steht fest: Er werde wieder die AfD wählen. Kurz darauf zieht er in die Rich­tung des Doms weiter. 

Jetzt probierst du eben halt mal die andere Partei aus“

Auch der 23-jährige David* (Name geän­dert) aus Halle hatte mal seine Stimme der AfD gegeben. Er betont eben­falls, dass er sich eine Ände­rung in der Migra­tions- und Sicher­heits­po­litik gewünscht hätte. Selber kommt er aus einer Familie mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund. Die Wirt­schafts­po­litik sei auch reformbedürftig, sagt er. Erbsteuern würden es jungen Menschen erschweren etwas aus dem fami­liären Bestand zu erhalten und auf der anderen Seite Vermögen aufzu­bauen“. Auch hätten ihn die poli­ti­schen Ange­bote anderer Parteien nicht abge­holt – sie seien an den Reali­täten der Leute vorbei­ge­gangen“. Jetzt probierst du eben halt mal die andere Partei aus“, dachte sich David und wählte in der letzten Wahl die AfD. Bei dieser Wahl möchte er jedoch die AfD nicht erneut unterstützen. Ausschlag­ge­bend dafür seien für ihn die Kandi­daten in seinem Wahl­kreis und ihre poli­ti­schen Verbin­dungen zum rechts­extremen Spek­trum. Grund­sätz­lich schließt er jedoch die AfD als Partei nicht aus. Auch CDU und FDP hätten Programm­punkte, die ihn anspre­chen.

Fakten-Check: Die Erbschafts­steuer erschwere den Vermö­gens­aufbau

Der Mythos, dass junge Menschen das Erbe der Familie verkaufen müssten, um die Steuer zu bezahlen stimmt nur zum Teil. Die Kern­fa­milie unter­liegt einem massiven Schutz: Kinder erben bis 400.000 € pro Eltern­teil steu­er­frei. Eine Ausnahme stellen unver­mie­tete Immo­bi­lien in extrem teuren Ballungs­ge­bieten oder Erbfälle in weiter entfernter Verwandt­schaft dar. Quelle: https://​t1p​.de/​52md6

Die AfD hat kein poli­ti­sches Angebot, um den Leuten zu helfen. Sie hat bloß ein Gefühl, was sie anbieten kann.“ 

Der Poli­tik­wis­sen­schaftler Nicolas Spohn erzählt, dass es aus prag­ma­ti­scher Perspek­tive kaum konkrete Ansatz­punkte gäbe, was die AfD machen würde, damit es den Leuten besser geht. Statt­dessen spreche die Partei Gefühle und den Wunsch nach Verän­de­rung an. Genau dieser Wunsch zieht sich durch die Gespräche mit den Wähler*innen auf der Straße und am Wähler­stand. Aber was genau erscheint sowohl jungen als auch älteren Leuten attraktiv an der AfD?

Ältere Menschen sind häufiger an tradi­tio­na­lis­ti­schen Werten inter­es­siert“, sagt uns Spohn. Auch der Struktur- und demo­gra­phi­sche Wandel nach der Wende präge ihre poli­ti­sche Haltung. Hinzu komme das Gefühl der fehlenden Aner­ken­nung der eigenen Lebens­leis­tung. Diese Erfah­rungen würden auch an die Jüngeren weiter­ge­geben, weswegen diese einen Wunsch nach einem an die idea­li­sierte Version der DDR ange­lehnten Kümmererstaat“ verspüren. Zudem erziele die AfD große Erfolge in den sozialen Medien. Der Spit­zen­kan­didat Ulrich Sieg­mund habe sich ein Macher-Image“ auf den Platt­formen aufge­baut, wodurch er für einige Jugend­liche als Vorbild fungiere. Trotz unter­schied­li­cher Lebens­si­tua­tionen sehe der Poli­tik­wis­sen­schaftler eine Gemein­sam­keit: Ein hoher Wunsch nach Verän­de­rung ist ihnen gemeinsam“. Dazu komme auch das Gefühl nicht ausrei­chend betei­ligt zu sein und mitge­stalten zu wollen. Aber am stärksten vereine beide Gene­ra­tionen die Stim­mung, die die AfD vermit­tele: Jetzt verän­dert sich was, wir sind im Aufbruch, wir kommen irgendwie voran“.


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