Landtagswahl in Sachsen-Anhalt

Sachsen-Anhalt: Zwischen Hoff­nung und Hoff­nungs­lo­sig­keit

Datum
09. September 2026
Autor*innen
Maximilian Enrico Loebert , Rosalie Raasch
Redaktion
politikorange
Themen
#LTWSA26 #Politik
Rosalie Max Sachsen Anhalt Zwischen Hoffnung und Hoffnunglosigkeit Editorial Header

Jugendpresse Deutschland e.V. / Maximilian Enrico Loebert

Sachsen-Anhalt. Ein Bundes­land, inmitten von Bauhaus, Brocken­hexen, Börde­boden, Chemie­in­dus­trie, Hallo­ren­ku­geln, Halb­ku­gel­ver­su­chen, Refor­ma­tion, Saale Unstrut-Wein, Salz­wedler Baum­ku­chen – welchen man bitte nicht von oben nach unten, sondern waage­recht in dünne Scheiben schneidet! – und UNESCO-Welt­kul­tur­er­be­stätten.

Aber Sachsen-Anhalt ist auch das bundes­weit älteste Bundes­land (und das mit den meisten Krank­heits­tagen!). Ein Bundes­land, in dem die Infra­struktur zu dünn ist, immer mehr Häuser leer stehen, der Fach­kräf­te­mangel von Jahr zu Jahr spür­barer wird – und viele junge Menschen in andere Bundes­länder abwan­dern. Und ein Bundes­land, in dem seit dem Natio­nal­so­zia­lismus eine gesi­chert rechts­extreme Partei laut Wahl­pro­gnosen realis­ti­sche Aussichten auf die abso­lute Mehr­heit hat. 

Der Hintereingang am Landtag von Sachsen-Anhalt.

Der Hintereingang am Landtag von Sachsen-Anhalt.

Jugendpresse Deutschland e.V. / Maximilian Enrico Loebert

Eine ange­spannte Stim­mung ist vor der Wahl in Sachsen-Anhalt zu spüren gewesen. Wochen­lang gab es nur dieses Thema, das wohl an niemandem vorbei­ge­gangen ist. Zwischen­zeit­liche Berichte, dass SPD und Grüne aus dem Landtag ausscheiden und die AfD eine abso­lute Mehr­heit der Sitze errei­chen könnte, sowie entspre­chende Umfragen prägten den Wahl­kampf. Im Vorfeld der Wahl hat sich im Bundes­land eine Medi­en­prä­senz einge­stellt, die ihres­glei­chen sucht. Der aufge­la­dene Wahl­kampf wird auch in der Wahl­be­tei­li­gung gespie­gelt: 77,8% der Wahl­be­rech­tigten haben ihre Stimme abge­geben. 2021 waren es noch 60,3%. 

Die Parteien kämpften um jede Stimme, wie man auch an den unter­schied­lichsten Wahl­kampf­ak­tionen sehen kann: Von steu­er­frei tanken, Dönerpreis­bremse, Fami­lien- und Sommer­festen, Silber­lo­cken und Haus­tür­wahl­kampf mit Massen an Menschen, um ein Direkt­mandat zu bekommen. 

Und mitten­drin: unsere Redak­tion der Jugend­presse. Wir, das sind sieben Redakteur*innen unter unserer Leitung als Chef­re­dak­tion. Gemeinsam haben wir den Wahl­kampf und die ersten Stunden nach der Wahl hautnah miter­lebt – und versucht, diese aus unserer jungen Perspek­tive für euch aufzu­ar­beiten. Wir haben uns unter anderem ange­schaut, warum junge Menschen eine gesi­chert rechts­extreme Partei wählen, wie die Direktkandidat*innen die tatsäch­liche Bevöl­ke­rungs­struktur abbilden – und wie die verschie­densten Demo­kra­tie­bünd­nisse im Wahl­kampf agieren. 

Armin Willingmann, Spitzenkandidat der Sozialdemokraten in Sachsen-Anhalt, am Wahlabend.

Armin Willingmann, Spitzenkandidat der Sozialdemokraten in Sachsen-Anhalt, am Wahlabend.

Jugendpresse Deutschland e.V. / Maximilian Enrico Loebert

Am Sonn­tag­abend war dann klar: Die AfD kommt auf 43,8% der Stimmen und ist damit stärkste Kraft. Die CDU hat 17,2% erreicht. Mit 9,3% ist die SPD dritt­stärkste Kraft geworden. Die Grünen sind mit 8,9% – entgegen zwischen­zeit­li­cher Prognosen – deut­lich im Landtag vertreten. Mit 8,6% wird die Linke im Landtag vertreten sein. Als einzige Partei hat sie neben der AfD Direkt­man­date gewonnen. Die Wahl­kreise Halle II und Halle III sowie Magde­burg III gingen an die Linke. Alle anderen Direkt­man­date hat die AfD gewonnen. Der Einzug des BSW war lange unsi­cher: Mit 5,3% sind sie nun auch im Landtag von Sachsen-Anhalt vertreten. 

Im Vergleich zur Land­tags­wahl 2021 hat die AfD ihr Ergebnis mehr als verdop­pelt, während die CDU sich mehr als halbiert hat. Die Linke muss leichte Verluste fest­stellen, während SPD und Grüne leicht dazu gewonnen haben. Die FDP hat sich mehr als halbiert und ist nicht mehr im Landtag vertreten. 

Die Ergeb­nisse zeigen: Die AfD hat keine abso­lute Mehr­heit der Sitze im Parla­ment. CDU, SPD, Grüne und Linke zusammen auch nicht. Damit werden die parla­men­ta­ri­sche Arbeit und mögliche Koali­ti­ons­bil­dungen schwierig. In den kommenden Wochen wird sich daher zeigen, wie es poli­tisch in Sachsen-Anhalt weiter­geht. 


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