Sachsen-Anhalt. Ein Bundesland, inmitten von Bauhaus, Brockenhexen, Bördeboden, Chemieindustrie, Hallorenkugeln, Halbkugelversuchen, Reformation, Saale Unstrut-Wein, Salzwedler Baumkuchen – welchen man bitte nicht von oben nach unten, sondern waagerecht in dünne Scheiben schneidet! – und UNESCO-Weltkulturerbestätten.
Aber Sachsen-Anhalt ist auch das bundesweit älteste Bundesland (und das mit den meisten Krankheitstagen!). Ein Bundesland, in dem die Infrastruktur zu dünn ist, immer mehr Häuser leer stehen, der Fachkräftemangel von Jahr zu Jahr spürbarer wird – und viele junge Menschen in andere Bundesländer abwandern. Und ein Bundesland, in dem seit dem Nationalsozialismus eine gesichert rechtsextreme Partei laut Wahlprognosen realistische Aussichten auf die absolute Mehrheit hat.
Der Hintereingang am Landtag von Sachsen-Anhalt.
Jugendpresse Deutschland e.V. / Maximilian Enrico Loebert
Eine angespannte Stimmung ist vor der Wahl in Sachsen-Anhalt zu spüren gewesen. Wochenlang gab es nur dieses Thema, das wohl an niemandem vorbeigegangen ist. Zwischenzeitliche Berichte, dass SPD und Grüne aus dem Landtag ausscheiden und die AfD eine absolute Mehrheit der Sitze erreichen könnte, sowie entsprechende Umfragen prägten den Wahlkampf. Im Vorfeld der Wahl hat sich im Bundesland eine Medienpräsenz eingestellt, die ihresgleichen sucht. Der aufgeladene Wahlkampf wird auch in der Wahlbeteiligung gespiegelt: 77,8% der Wahlberechtigten haben ihre Stimme abgegeben. 2021 waren es noch 60,3%.
Die Parteien kämpften um jede Stimme, wie man auch an den unterschiedlichsten Wahlkampfaktionen sehen kann: Von steuerfrei tanken, Dönerpreisbremse, Familien- und Sommerfesten, Silberlocken und Haustürwahlkampf mit Massen an Menschen, um ein Direktmandat zu bekommen.
Und mittendrin: unsere Redaktion der Jugendpresse. Wir, das sind sieben Redakteur*innen unter unserer Leitung als Chefredaktion. Gemeinsam haben wir den Wahlkampf und die ersten Stunden nach der Wahl hautnah miterlebt – und versucht, diese aus unserer jungen Perspektive für euch aufzuarbeiten. Wir haben uns unter anderem angeschaut, warum junge Menschen eine gesichert rechtsextreme Partei wählen, wie die Direktkandidat*innen die tatsächliche Bevölkerungsstruktur abbilden – und wie die verschiedensten Demokratiebündnisse im Wahlkampf agieren.
Armin Willingmann, Spitzenkandidat der Sozialdemokraten in Sachsen-Anhalt, am Wahlabend.
Jugendpresse Deutschland e.V. / Maximilian Enrico Loebert
Am Sonntagabend war dann klar: Die AfD kommt auf 43,8% der Stimmen und ist damit stärkste Kraft. Die CDU hat 17,2% erreicht. Mit 9,3% ist die SPD drittstärkste Kraft geworden. Die Grünen sind mit 8,9% – entgegen zwischenzeitlicher Prognosen – deutlich im Landtag vertreten. Mit 8,6% wird die Linke im Landtag vertreten sein. Als einzige Partei hat sie neben der AfD Direktmandate gewonnen. Die Wahlkreise Halle II und Halle III sowie Magdeburg III gingen an die Linke. Alle anderen Direktmandate hat die AfD gewonnen. Der Einzug des BSW war lange unsicher: Mit 5,3% sind sie nun auch im Landtag von Sachsen-Anhalt vertreten.
Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 hat die AfD ihr Ergebnis mehr als verdoppelt, während die CDU sich mehr als halbiert hat. Die Linke muss leichte Verluste feststellen, während SPD und Grüne leicht dazu gewonnen haben. Die FDP hat sich mehr als halbiert und ist nicht mehr im Landtag vertreten.
Die Ergebnisse zeigen: Die AfD hat keine absolute Mehrheit der Sitze im Parlament. CDU, SPD, Grüne und Linke zusammen auch nicht. Damit werden die parlamentarische Arbeit und mögliche Koalitionsbildungen schwierig. In den kommenden Wochen wird sich daher zeigen, wie es politisch in Sachsen-Anhalt weitergeht.
