Mehr als 30 Prozent für die Linke, deutliche Unterschiede bei AfD und CDU: Die Ergebnisse der U18-Wahl weichen teilweise stark von denen der Landtagswahl ab. Doch was steckt dahinter?
Die U18 Wahl ist ein außerschulisches Projekt, bei dem junge Menschen in 51 Wahllokalen verteilt in Sachsen-Anhalt ihre Stimme abgeben konnten. Die Wahl basiert auf Freiwilligkeit und ist nicht repräsentativ. Dennoch kann aus dem Votum der 3123 Kinder und Jugendlichen eine Stimmung abgelesen werden.
Ergebnisse der U18 Wahl im Vergleich zur Landtagswahl
Die große Wahlgewinnerin der U18 Wahl ist die Linke, die fast ein Drittel der Stimmen bekommt. Im Vergleich zur Landtagswahl 2026 sind das 22,4 Prozentpunkte mehr. Die Grünen kommen bei den Kindern und Jugendlichen etwas besser an als bei den Erwachsenen. Bei der U18 Wahl sind sie mit 12,7% vertreten im Vergleich zu 8,9% bei der Landtagswahl. Daher verwundert nicht, dass sich beide Parteien für ein Wahlalter von 14 Jahren bei Kommunal- und Landtagswahlen einsetzen. Die AfD kommt bei der U18 Wahl auf 22,1% Prozent und hat damit 21,5 Prozentpunkte weniger als bei der Landtagswahl. Auch die CDU kann die Kinder und Jugendlichen weniger überzeugen und hat ein Minus von 10,6 Prozentpunkten im Vergleich. Die AfD hat dennoch, wie auch die SPD, ein Wahlalter von 16 Jahren für die Landtagswahl im Programm, die CDU möchte es bei dem aktuellen Wahlalter von 18 Jahren belassen. Die SPD schneidet bei den Kindern und Jugendlichen mit einem Minus von 0,6 Prozentpunkten nur leicht schlechter ab als bei der Landtagswahl. Das BSW schafft es bei der U18 Wahl mit 2,3% nicht in den Landtag, im Gegensatz zu dem Ergebnis bei den Erwachsenen von 5,3%. Aufsummiert entfallen bei der U18 Wahl 18,8% der Stimmen auf Parteien, die unter der 5% Hürde bleiben. Das sind deutlich mehr als bei der Landtagswahl, bei der weitere Parteien 7% der Stimmen erhalten.
Grafik: Jugendpresse I Datengrundlage: U18.org
Wie die Linke bei Jugendlichen punktet
Der Blick ins Wahlprogramm gibt Aufschluss, mit welchen Themen die Linke bei jungen Menschen ankommt. Beispielsweise fordert sie, dass in Schulen und Kitas digitale Geräte zur Verfügung stehen und die Medienkompetenz stärker in den Fokus gerückt wird. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) soll ausgebaut werden und für alle bezahlbar sein. Mittelfristig soll dieser sogar zum Nulltarif angeboten werden. Für Kinder und Jugendliche, die oft besonders auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind, ein attraktives Angebot. Mustafa Groener, der Direktkandidat der Linken in Magdeburg-Ost erklärt die Popularität bei jungen Menschen folgendermaßen: „Ich glaube, wir führen Gespräche auf Augenhöhe mit allen Menschen.“ Dabei sei ihm das Alter der Person egal, führt Groener aus. Er laufe einfach durch Magdeburg und sei dabei für alle ansprechbar, was auch gerne genutzt werde. Neben den Inhalten, die gut ankommen bei jungen Menschen, sei es also auch die Art und Weise, wie die Linke Politik macht.
Soziale Medien als Zugang zur Jugend
Die AfD überzeugt junge Menschen mit Forderungen aus ihrem Wahlprogramm wie der kostenlosen Mitgliedschaft in einem Sportverein bis 18 und kostenlosem Schulessen. Auf der anderen Seite befinden sich auch kontroversere Punkte wie die Abschaffung der Inklusion oder die eines „Warnschussarrests“ bei jeder Form der Jugendkriminalität oder im Wahlprogramm. Der Arrest soll dabei für bis zu 4 Wochen verhängt werden können, aber nicht im Führungszeugnis aufgeführt werden. Neben den Inhalten des Wahlprogramms erreicht die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei auch viele Menschen mit ihrer Präsenz in den sozialen Medien. Beispielsweise bei TikTok bekommt besonders der Spitzenkandidat Ulrich Siegmund viel Aufmerksamkeit.
Andere Parteien nutzen ebenfalls die sozialen Medien, wenn auch oft nicht so erfolgreich wie die AfD. Eine Ausnahme stellt unter anderem Skady Herkenrath von der SPD dar, die vor allem auf Instagram erfolgreich aktiv ist. „Ich will damit die SPD wieder cool und ansprechbar machen“, erklärt Herkenrath. Die SPD müsse sich auf soziale Themen zurückbesinnen, um wieder mehr Menschen und auch Kinder und Jugendliche abzuholen, so Herkenrath.
Was sagt die U18 Wahl aus?
Um die Wahl unbürokratisch stattfinden zu lassen, existieren bei der U 18 Wahl keine Wähler*innenlisten und die Auswertung beschränkt sich auf die Zweistimme. Es gibt keine untere Altersgrenze und auch eine deutsche Staatsangehörigkeit ist für die Wahl nicht notwendig. Einzige Voraussetzungen für die Stimmabgabe sind der Wohnort in Sachsen-Anhalt und ein Alter von unter 18 Jahren. Ob die teilnehmenden jungen Menschen bereits politisch engagiert sind und wer sich von der Möglichkeit zur Wahl angesprochen fühlt, ist nicht untersucht und kann je nach Wahl schwanken. Bei der U18 Wahl zur Landtagswahl 2021 ist die CDU mit 16% noch stärkste Kraft geworden. Trotz der begrenzten Aussagekraft zeigt sich bei den Teilnehmenden eine Tendenz zu Parteien am linken und rechten Rand.
Quellen:
U18-Wahl Sachsen-Anhalt: Linke gewinnt – so schneiden die Parteien ab | mdr.de
AfD auf TikTok: Die AfD ist nicht mehr allein auf TikTok | DIE ZEIT
AfD Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt
Die Linke Sachsen-Anhalt – Wir sind der Pol der Hoffnung
Wahlprogramm – SPD Landesverband Sachsen-Anhalt
U18-Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Junge Menschen treffen ihre Wahl
Verfassungsschutz: AfD Sachsen-Anhalt ist „gesichert rechtsextremistisch“ | tagesschau.de
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