Die Umwelt brennt – doch im Wahlkampf zählt anderes. Barbara Lange von den Omas for Future will Klimapolitik wieder eine Stimme geben, während der Diskurs der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz in andere Richtungen geht.
„Ich habe nicht studiert, ich habe auch kein Abitur aber mein Gefühl sagt mir, dass das auf jeden Fall der falsche Weg ist“, erzählt Barbara Lange von Omas for Future. Laute Kampfparolen, bunte Schilder und viele wütende Teenager erscheinen 2019 in den Zeitungen Deutschlands. Tausende junge Menschen kommen zusammen, um gemeinsam für ihre Zukunft einzustehen. „Fridays for Future“ Umweltschutz war Thema Nummer Eins. Und heute? Wir stehen kurz vor den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz, politische Diskussionen finden ihren Höhepunkt. Ein Thema scheint in Vergessenheit geraten zu sein: Die Klimapolitik.
„Weil wir haben gelebt“
Blau und Rot. Und dazwischen Barbara Lange, Mitglied der Omas for Future. Ein Blick in die Bad Kreuznacher Innenstadt am 14. März deutet die annähernde Landtagswahl an. Nur eine Straße trennt den Wahlkampfstand der Linke von dem AfD-Stand. Mittendrin: Die Organisation Omas for Future mit ihren Plakaten und Flyern. Die Organisation ist besorgt um den gesellschaftlichen Diskurs rund um Klimaschutz. Lange gibt sich im bisherigen Wahlkampf besorgt nicht ausreichend Gehör zu finden: „Es ist sehr alarmierend. Wir als Omas sind ja keine Partei und das finde ich auch ganz wichtig, dass eben auf unsere Inhalte gehört wird. Und nicht in eine Schublade gesteckt zu werden.“ Die Organisation Omas for Future engagiert sich seit 2019 für Umweltschutz. Aktuell stellen sie zehn Forderungen an die nächste Landesregierung. Darunter zählt beispielsweise die Stärkung der Kommunen, der Ausbau des Energienetzes und des ÖPNV, die Bewahrung der Artenvielfalt und den weiteren Ausbau von Wind- und Solarenergie. Bei den Omas for Future engagiert sich Barbara Lange seit vier Jahren. „Ehrlich gesagt, der Startschuss dafür war die Ankündigung der Geburt meines achten Enkelkindes. Weil ich mich da nicht nur gefreut habe, sondern ich gedacht habe: Ach du Schreck, noch einer, um den man sich Sorgen machen muss. Und dann habe ich in der Zeitung von den Omas gelesen und hab gedacht, ich mache da mal mit. Ich erfahre die Arbeit dort als sehr tröstend und auch verstärkend und Mutmachend. Deswegen bin ich bei den Omas“, erzählt die 65-Jährige. Von der neuen Regierung fordert sie verantwortungsvollen Umgang. „Der Klimaschutz muss auf jeden Fall stärker betrieben werden. Denn wenn wir nichts für den Klimaschutz tun, wird das alles sehr, sehr teuer. Und es ist ganz wichtig, dass wir erneuerbare Energien haben und nicht auf Gas oder auf fossile Energien setzen.“ Lange sieht in ihrer Generation Handlungspflicht: „Eigentlich sind wir fast allein verantwortlich, weil wir gelebt haben. In meinem Fall gedankenlos, ohne auf die Ressourcen zu achten“, gibt sie zu.
Und was sagen die Parteien?
„Klimaschutz mit Bürgerenergiegesetz – Menschen vor Ort profitieren“, Punkt 10 auf der Forderungsliste der SPD. Der letzte Punkt. Die SPD verlangt ein Bürgerenergiegesetz, bei der Gemeinden um Umfeld von Wind- und Solaranlagen von den Erträgen profitieren. Die Grünen hingegen setzten die Klimapolitik an den Anfang ihrer Agenda. Klimaneutralität bis 2040 ist das große Ziel. Die CDU setzt in ihrem Programm auf die Vereinigung von Wirtschaft und Umwelt. Erreichen will sie das unter anderem mit dem Ausbau von Photovoltaik und einem besseren Wasser-Management.
Auf Papier ist Klimapolitik sehr präsent, die Realität zeigt allerdings ein anderes Bild. „Klimaschutz rückt medial leider wieder zurück, aber wir wollen der nachfolgenden Generation ein schönes Leben in Rheinland-Pfalz ermöglichen“, erklärt Dennis Matheis von der SPD. Nebendran sitzt die erst 20-jährige Sarah Bolz von den Grünen. „Klimaschutz hätte eine größere Rolle spielen sollen. Klimaschutz ist oft mit Angst und Bedrohung verbunden, aber als Grüne müssen wir in den sauren Apfel beißen und das Thema trotzdem aufgreifen“, appelliert die frisch gekürte Abiturientin an ihre Partei und fügt an. „Ich lasse mir da nicht die Butter vom Brot nehmen.“
Der Klimawandel ist sicherlich nicht aus den Köpfen der Menschen verschwunden. Trotzdem überwiegen zurzeit andere Themen, die den Klimaschutz in den Hintergrund drängen.
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