Die Film­för­de­rung muss diverser werden“

Datum
25. Juli 2022
Autor*in
Désirée L
Redaktion
politikorange
Themen
#Gesellschaft #Kultur
Kevin Zindler mit einem seiner Bücher

Kevin Zindler mit einem seiner Bücher

privat

In Europa liegt Deutsch­land hinter Frank­reich auf Platz 2 der Länder, die am meisten Film­för­de­rung betreiben. Pro Jahr gibt Deutsch­land rund 400 Millionen Euro dafür aus. Doch warum werden trotz dieser hohen Summe immer gefühlt die glei­chen Filme geför­dert? Und wie kann ein Film über­haupt geför­dert werden? Ein Inter­view mit Kevin Zindler, Produ­zent und Genre­film-Experte.

Kevin, stell‘ dich doch mal kurz vor.

Ich bin Kevin Zindler und 2010 habe ich ange­fangen für verschie­dene Websites und Online-Zeitungen zu arbeiten, habe da Kritiken und so weiter verfasst und dann irgend­wann habe ich ange­fangen, Bücher zu schreiben, habe dann einen eigenen Podcast – den Cine Enter­tain­ment Talk“ Podcast – gegründet mit meinem Freund Florian Wurf­baum, der mitt­ler­weile sehr erfolg­reich in Deutsch­land ist, und hab dann auch ange­fangen, selber als Produ­zent Filme zu produ­zieren. Wir haben einen eigenen Verlag gegründet: den WUZI-BOOKS Verlag. Außerdem bin ich auch Mitbe­gründer des Art of Horror“ Maga­zins – das ist ein Horror-Film-Magazin, welches es jetzt seit Anfang 2020 gibt, und schreibe natür­lich auch für die Zeit­schrift mit.

Was genau beinhaltet denn diese Film­för­de­rung? Also, wer fördert einen Film und nach welchen Krite­rien wird über­haupt ein Film ausge­sucht, der dann wirk­lich geför­dert wird?

Es gibt verschie­dene Film­för­der­an­stalten, zum Beispiel hat ja jedes Bundes­land Film­för­der­an­stalten und die fördern Filme. Um eine Förde­rung zu bekommen, muss man einen Antrag stellen. Man hat also eine Idee, muss dann etliche Formu­lare ausfüllen und das dann einrei­chen. Dann kann man zum Beispiel eine Dreh­buch­för­de­rung bekommen. Wenn man Dreh­buch­för­de­rung bekommt ist es dann auch sehr wahr­schein­lich, dass man dann even­tuell auch den Film geför­dert bekommt. Die Sache ist die: Meis­tens bekommt man Förde­rung, wenn man schon mal Förde­rung bekommen hat. Also, wenn man erstmal drinnen ist, ist die Wahr­schein­lich­keit höher, dass man auch später nochmal Förde­rung bekommt. Und man muss eben Stoffe einrei­chen, die, zumin­dest in Deutsch­land, die die Gremien auch gut finden. Das sind meis­tens komö­di­an­ti­sche Sachen, problem­be­haf­tete Filme, also 2.-Weltkriegs-Drama oder allge­mein Dramen und so weiter. Auch im deut­schen Kino siehst du ja immer wieder Komö­dien. Die haben größere Chancen als zum Beispiel Genres wie Action und Horror. Es gibt zwar aus Deutsch­land welche, aber versteckt, die mit anderen Ländern kopro­du­zieret werden. Damals die Resi­dent Evil“ Filme waren deut­sche Filme wurden von Bern Eichinger produ­ziert, aber viele wissen gar nicht, dass das deut­sche Filme waren. Das waren deut­sche Filme, weil die mit deut­schem Geld finan­ziert worden sind, aber unter dem Deck­mantel eines inter­na­tio­nalen Films. Wenn man sagen würde Deut­scher Film“, hätte der sowieso einen schlechten Ruf – auch bei den Kino­zu­schauern. Auch teil­weise zurecht. Dann macht man sich seinen eigenen Film kaputt. Aber gene­rell als rein deut­schen Film, der jetzt keine inter­na­tio­nale Zusam­men­ar­beit hat, gibt es halt nicht viele Action-Filme, Horror-Filme oder Fantasy-Filme. Die wirst du kaum finden in Deutsch­land, es sei denn, sie sind Inde­pen­dent, also privat finan­ziert worden und nicht geför­dert. Und geför­derte Filme sind meist Dramen, Komö­dien. Filme, die eben halt auch dann später bei den Öffent­lich-Recht­li­chen und so laufen.

Du mein­test ja eben, dass man leichter rein­kommt, wenn man schon mal irgendwie, wenn man schonmal geför­dert wurde. Darunter fallen vermut­lich zum Beispiel jetzt Til Schweiger, Matthias Schweig­höfer, Constantin Film, die ganzen bekannten Sachen. Aber wie kriegt man eigent­lich diesen Fuß in die Tür, also wie kann man es da schaffen, dass man über­haupt erstmal rein­kommt?

Indem man immer wieder Sachen einreicht und dann das Glück hat, dass man irgend­wann geför­dert bekommt. Es werden meis­tens Filme geför­dert, die FSK 6 oder FSK 12 sind, damit die später auch im Fern­sehen ausge­strahlt werden können. Die Film­för­der­an­stalten arbeiten mit den Öffent­lich-recht­li­chen zusammen sind natür­lich daran inter­es­siert, die Filme, die dann im Kino laufen, auch später im eigenen Programm auszu­strahlen. Den Fuß rein­kriegen – wie gesagt – das kann man letzten Endes nur, indem man immer wieder einreicht und das Glück hat, dass irgend­etwas geför­dert wird. Aber man muss eben die Gremien und die Leute, die da sitzen, über­zeugen. Es gibt ja zum Beispiel viele Film­stu­denten und so weiter, die jetzt in München oder so studieren, die gerne zum Beispiel Action machen würden, aber die dann später irgendwie bei ARD und ZDF den Berg­doktor machen. Aber das wollen die gar nicht! Das ist ein schöner Job, keine Frage, aber die wollen eigent­lich was Anderes machen. Aber die wissen, dass die damit keine Chance bekommen.

Du hast bereits einige Kritik an der jetzigen Film­för­de­rung ange­spro­chen. Aber kommt denn auch von anderer Seiten, z.B. aus der Politik, Kritik an der Film­för­de­rung. In welcher Form und von wem wird denn noch Kritik geübt? Welche Punkte gibt es denn da noch?

Also, von der Politik wirst du kaum Kritik bekommen. Die sind ja quasi auch teil­weise wieder in den Gremien mit drin, weißt du. Das ist ja wie bei den Öffent­lich-recht­li­chen oder bei der GEZ. Also, niemand wird jemals GEZ abschaffen wollen, zum Beispiel. Obwohl es ja auch teil­weise frag­würdig ist.

Kritik kommt so von Leuten wie mir, die immer wieder Förder­an­träge stellen. Es soll ja auch nicht jeder Film geför­dert werden. Wenn ein Film nicht gut ist, dann ist er nicht gut. Aber du siehst eben, dass wirk­lich gewisse Leute ausge­schlossen werden und gewisse Themen, also alles, was mit Genre zu tun hat wird fast komplett ausge­schlossen. Es gibt Ausnahmen. Aber das sind immer dieselben Leute, Wim Wenders und so weiter. Und Wim Wenders hat noch nie einen Kassenhit gemacht. Der hat noch nie große Zuschau­er­zahlen erreicht. Der kriegt für jeden Film eine Förde­rung, obwohl die Filme keiner guckt. Und den siehst du dann in Cannes.

In Kanada ist es zum Beispiel gut, da hast du damals für jeden Dollar, den du ausgebe hast, 50 Cent zurück­be­kommen. Ich glaube, jetzt sind es noch 30 Prozent. Da sind viele Film­schaf­fende – wie zum Beispiel Uwe Boll – auch nach Kanada gegangen, weil sie da halt zumin­dest steu­er­lich entlastet worden sind. Du hast da ja in dem Moment, in dem du einen Film gedreht hast, auch Arbeits­plätze geschaffen. Das ist zum Beispiel auch ein System, das ich besser finden würde hier in Deutsch­land. Gibt’s aber auch nicht.

Erwar­test du jetzt nicht irgendwie ein Umdenken in der Politik hin zu einer diversen Film­för­de­rung, also dass auch mal andere Genres geför­dert werden?

Genau. Also, ich finde an sich die Film­för­de­rung gut. Und, man muss ja auch bedenken: Deutsch­land ist der Erfinder des Genre-Films. Die deut­sche Indus­trie vor dem 2. Welt­krieg, war ja eine der größten Indus­trien über­haupt auf der Welt. Und dann wurde es ja immer weniger. 60er, 70er lief es noch gut, aber meis­tens inner­halb Deutsch­lands. Und als dann ab den 80ern die großen Kino­filme kamen, die ganzen Spiel­berg-Filme, dann haben die deut­schen Filme kaum noch eine Rolle gespielt, zumin­dest inter­na­tional gar nicht mehr. Und das ist schade. Ich würde mir wünschen, dass in den Gremien, die das entscheiden, nicht nur Poli­tiker oder irgend­welche Leute sitzen, die da schon seit 50 Jahren sitzen, sondern dass da jeder sitzt. Also, dass ist ein breites Spek­trum an Leuten, die dort sitzen und entscheiden, wer Förde­rung bekommt und wer nicht. Und nicht nur Leute, die letzten Endes mit Filmen gar nicht wirk­lich was zu tun haben. Ich erwarte, dass die Film­för­de­rung einfach wieder gerecht, offen und divers ist. Dann würde es auch ganz andere Entschei­dungen geben und dann würde es ganz andere Filme aus Deutsch­land im Kino zu sehen geben.


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