Bildung von morgen: Wie will die Landes­po­litik junge Menschen fit für die Zukunft machen?

Datum
23. März 2026
Autor*in
Elisabeth Friedmann
Redaktion
politikorange
Themen
#LTWRLP26 #Politik
Glockenbaum vor dem Ministerium für Bildung Mainz

Glockenbaum vor dem Ministerium für Bildung Mainz

Jugendpresse e.V./ Caroline Sauter 

Kinder sind unsere Zukunft.“ Diese Aussage hört man häufig. Doch dann bleibt die Frage, warum nicht mehr in unsere Zukunft inves­tiert wird. Insbe­son­dere in Bezug auf die Bildung ist hier eine Diskre­panz erkennbar zwischen der allge­meinen Zustim­mung, dass es Nach­hol­be­darf gibt und der Realität. Die Liste der anzu­ge­henden Themen ist lang.

In einer sich rasant wandelnden Welt rückt die Frage in den Fokus, wie die Landes­po­litik Kinder und Jugend­liche so stärken kann, dass sie den Heraus­for­de­rungen gewachsen sind. Dabei stechen vor allem Themen wie Demo­kra­tie­bil­dung, Digitalisierung/​Medienkompetenz, Soft Skills, Mentale Gesund­heit oder der Zustand der Bildungs­ein­rich­tungen in den Vorder­grund. 

Allem voraus braucht es jedoch Anknüp­fungs­punkte: Was müssen die Kinder bei Schul­an­tritt schon an Grund­lagen mitbringen, sodass sie weiter gefor­dert und geför­dert werden können? Zu früh­kind­li­cher Bildung schreibt die Pres­se­stelle des rhein­land-pfäl­zi­schen Bildungs­mi­nis­te­riums (MB RLP), zum dama­ligen Zeit­punkt SPD geführt, auf Anfrage: Früh­kind­liche Bildung ist essen­ziell, um später im Leben teil­haben zu können. Wer als Kind die Sprache spricht und versteht, der wird schnell soziale Kontakte knüpfen und auch in der Schule erfolg­reich sein. Deshalb ist früh­kind­liche Bildung so wichtig, um even­tu­elle Defi­zite zu erkennen und zu beheben, bevor sie zu Chan­cen­un­gleich­heit und Frus­tra­tion führen.“ 

Chan­cen­un­gleich­heit ist ein weiterer wich­tiger Stich­punkt, denn der Bildungs­er­folg in Rhein­land-Pfalz hängt nach wie vor auch vom Eltern­haus ab. Man könnte sich da fragen, warum die Landes­po­litik das bisher nicht weiter aufbre­chen konnten. Laut MB RLP brauche es Zeit, bis sich lang­fris­tige Entwick­lungen in Studien nieder­schlagen würden. Gleich­zeitig verweisen sie auf Erfolge wie beispiels­weise aufgrund des Start­chan­cen­pro­gramms, Fami­li­en­grund­schul­zen­tren oder mehr Schul­so­zi­al­ar­beit. 

Immer lauter wird auch die Forde­rung nach flächen­de­ckender poli­ti­scher Bildung, so auch beispiels­weise vom Landes­ju­gend­beirat oder der Landesschüler*innenvertretung. Die Schule selbst muss hierbei einen demo­kra­ti­schen Ort darstellen, sodass sie aktiv gelebt wird und nicht nur über sie gespro­chen wird. Das MB RLP führt hierzu das Netz­werk Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ auf, das es seit 2008 in Rhein­land-Pfalz gibt. Hierbei stellt sich jedoch die Frage, wie aktiv das auch vor Ort gelebt wird. Wie viel Raum wird dem Thema Demo­kratie in der Schule gegeben und wie viel quali­fi­ziertes Personal steht zur Verfü­gung? Gleich­zeitig herrscht nämlich auch eine stän­dige Konkur­renz zwischen der Unter­richts­be­spre­chung und der äußeren Reso­nanz in Bezug auf Politik. Wo es anfangs die Eltern sind, welche verant­wort­lich für die Urprä­gung zum Thema Politik sind und eine wich­tige Sozia­li­sa­ti­ons­funk­tion einnehmen, rücken danach die Peer-Group bezie­hungs­weise Social-Media in den Vorder­grund. 

Nichts­des­to­trotz gibt es bereits auch weitere Konzepte wie Junior­wahlen, Schü­ler­zei­tungen und Schü­le­rin­nen­ver­tre­tungen. Zudem schreibt das MB RLP, dass auch die Erin­ne­rungs­kultur fest im Lehr­plan veran­kert sei durch Gedenk­stät­ten­fahrten oder Gespräche mit Zeit­zeugen. 

Auf die Frage, warum es Schule schwer­fällt, sich zu verän­dern, schreibt das MB RLP, dass es stetig Verän­de­rungen brauche, genauso wie Zeit, um alle auf dem Weg mitzu­nehmen. Dies­be­züg­lich könne das Land hier vor allem gute Rahmen­be­din­gungen schaffen. Zum Beispiel haben wir allen Schulen kostenlos eine Lizenz für das KI-Tool fobizz“ zur Verfü­gung gestellt, weil es wichtig ist, dass junge Menschen den reflek­tierten und kriti­schen Umgang mit Künst­li­cher Intel­li­genz lernen.“ Welche Fähig­keiten brau­chen junge Menschen in Zukunft, die aktuell noch zu wenig im Unter­richt vorkommen. Ist das deut­sche Schul­system zu stark auf Abschlüsse und Noten fixiert? Das MB RLP äußert sich dazu so: Noten und Schul­ab­schlüsse dienen als Bewer­tungs­grund­lage und zur Vergleich­bar­keit. Sie zeigen die Entwick­lung von Kindern und Jugend­li­chen. Damit Noten aussa­ge­kräftig sind, müssen Schulen diese Entwick­lung durch Kompe­tenz­er­werb und eine Feed­back­kultur ermög­li­chen.“ Aber es wird auch ange­merkt, dass verschie­dene andere Kompe­tenzen wie unter anderem Kriti­sches Denken, demo­kra­ti­sche Werte und mentale Gesund­heit in den Fokus rücken würden. 

An diesem Ansatz probieren sich verschie­dene Schulen in RLP mit der Initia­tive Schule der Zukunft“ aus. So beispiels­weise ein Mainzer Gymna­sium, dass anstelle von Fron­tal­un­ter­richt und festen Stun­den­plänen, auf Feed­back­ge­spräche mit Lehr­kräften und neuen Prüfungs­sys­temen setzen würde laut MB RLP. Zudem betont das MB, dass sich eine andere Fehler­kultur etablieren müsse und es mehr Mut für Verän­de­rungen brauche. Außerdem biete die Schule der Zukunft“ große Frei­räume für Schulen, die ihnen eine gewisse Auto­nomie verschaffen, sowie durch finan­zi­elle Budgets, die sie selbst­ständig verwalten könnten, so das MB RLP

Was lässt sich aus den Antworten des Bildungs­mi­nis­te­riums für die Zukunft der Bildung sagen? Es gibt bereits Initia­tiven und Konzepte, die in die Rich­tung einer zeit­ge­mä­ßeren, flexi­bleren und praxis­ori­en­tier­teren Bildungs­zu­kunft resul­tieren. Trotzdem ist immer die Frage, was konkret bei den Schü­le­rinnen und Schü­lern ankommt und wie die Theorie mit ihren Lebens­rea­li­täten korre­spon­diert. 

Nun bleibt es span­nend, denn durch die Land­tags­wahl 2026 wird eine neue Regie­rung gewählt und somit besteht die Möglich­keit in Zukunft neue oder andere Akzente – nicht nur auf bildungs­po­li­ti­scher Ebene – zu setzen. 

Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz

Ministerium für Bildung Rheinland-Pfalz

Jugendpresse e.V./ Caroline Sauter 

Quellen: 

Pres­se­stelle des Minis­te­riums für Bildung des Landes Rhein­land-Pfalz 

Hinter­grund­ge­spräch mit Herrn Michael Sauer (Lehrer im Fach Sozi­al­kunde und Landes­vor­sit­zender DVPB Landes­ver­band RLP

Maßnahmen gegen Rechts­extre­mismus – jugend​.rlp​.de 


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