Die CDU liegt in den Umfragen zwar knapp vorn – doch der beliebteste Politiker kommt von der SPD: Ministerpräsident Alexander Schweitzer ist deutlich beliebter als sein Herausforderer Gordon Schnieder. Kann der Amtsbonus von Schweitzer die SPD nach vorn bringen oder setzt das CDU-Momentum den entscheidenden Akzent?
Politikwissenschaftler Prof. Dr. Kai Arzheimer von der Uni Mainz ordnet diese Konstellation als keineswegs ungewöhnlich ein. Zunächst müsse man berücksichtigen, dass die Umfragewerte derzeit sehr eng beieinanderlägen. „Der knappe Unterschied könnte auch statistisches Rauschen sein“, erklärt der Wissenschaftler. Im neusten Rheinland-PfalzTREND von Infratest dimap im Auftrag der ARD liegt die CDU mit 29 Prozentpunkten knapp vor der SPD (28 %).
Die Macht des Amtsbonus
Darüber hinaus verweist Arzheimer auf einen klassischen Effekt der Wahlforschung: den Amtsbonus. Dies lässt sich auch an Umfragen wie dem Rheinland-PfalzTREND beobachten. Würde der Ministerpräsident direkt gewählt, würden Schweitzer 41 Prozent ihre Stimme geben. Schnieder hingegen liegt bei 23 Prozent. Als Regierungschef sei Schweitzer medial präsenter und profitiere von höherer Bekanntheit. „Das erklärt warum Schweizer jetzt bekannter und auch beliebter ist als die SPD insgesamt. Es zeigt aber auch, was er seinem Herausforderer voraushat.“ Dieses Phänomen sei allerdings grundsätzlich bei Spitzenkandidaten von Oppositionsparteien zu beobachten, ordnet Arzheimer ein.
Es sei von Vorteil einen beliebten Kandidaten oder eine beliebte Kandidatin ins Rennen zu schicken, weiß der Politikwissenschaftler. Doch das allein reiche nicht aus, da ein populärer Kandidat keine stabile Parteibindung von Wählenden überwinden könne. Mit Blick auf die eng beieinander liegenden Umfragewerte sagt Arzheimer jedoch: „Der Kandidat bringt möglicherweise die paar Prozentpunkte mehr, die man braucht, um dann tatsächlich vorne zu liegen.“ Somit könne der Faktor des Spitzenkandidaten diesmal entscheidend sein.
Personalisierung dominiert Wahlkampf
Laut der Wahlforschung prägen drei Faktoren das Wahlverhalten: Parteibindung, Themen und Kandidaten. Für rund die Hälfte der Wählerinnen und Wähler sei die Parteibindung eine Art „Voreinstellung“. Wer sich als Anhänger einer bestimmten Partei verstehe, wähle diese in der Regel auch.
Inhalte und Themen spielten mit Ausnahme der Bildung im Landtagswahlkampf nur eine untergeordnete Rolle. Man sei sich in den Parteizentralen bewusst, dass das Kopf-an-Kopf-Rennen von den Spitzenkandidaten geprägt und womöglich auch entschieden werde.
Entsprechend stark falle auch die Personalisierung im Wahlkampf aus: „Man sieht, dass von der SPD ganz viel der Ministerpräsident plakatiert wird. Auch die CDU setzt im Endspurt stärker auf Schnieder, berichtet Arzheimer. Beide Parteien nutzen Veranstaltungen der Kandidaten, um Wählerinnen und Wähler noch persönlich zu erreichen. Für Arzheimer ist „die starke Personalisierung schon sehr auffällig“ in diesem Wahlkampf.
Auch Dennis Matheis aus dem Wahlkreis 45 Kaiserslautern II berichtet von einer starken Personalisierung und zieht Parallelen zum Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg, der von den Kandidaten Cem Özdemir (Bündnis 90/ Die Grünen) und Manuel Hagel (CDU) dominiert wurde und am Ende in einem Wahlkrimi entschieden wurde. Die hohen Beliebtheitswerte erklärt er sowohl mit dem Amtsbonus als auch einem Spitzenkandidaten „der jedem auf Augenhöhe begegnet“. Die Diskrepanz zu den Umfragewerten seiner Partei sei vor allem dem Gegenwind durch die Bundespartei geschuldet. Der Direktkandidat findet, „dass die SPD wieder mehr die Arbeiterklientel in den Blick nehmen muss”.
Spielt taktisches Wählen eine Rolle?
Koalitionsüberlegungen beeinflussten das Wahlverhalten laut Politikwissenschaftler Arzheimer nur bei einer kleinen, „politisch besonders interessierten Gruppe“. Er meint, dass einige Grünenanhänger bei dieser Wahl eher die SPD wählen könnten, damit diese den Ministerpräsidenten stelle und Gordon Schneider als Landeschef verhindert werde.
Mit Blick auf junge Wählerinnen und Wähler sei die Datenlage begrenzt. Der Einfluss lasse sich schwer messen, da sie in Umfragen zahlenmäßig schwächer vertreten seien. Klar sei jedoch, dass die langfristige Parteibindung insgesamt zurückgehe. Jüngere Generationen seien seltener an „Volksparteien“ gebunden, während Parteien wie die Grünen, Die Linke oder auch die AfD häufiger Anklang fänden.
Angesichts der knappen Umfragewerte bleibe das Rennen offen. Ob sich der Amtsbonus letztlich in einen Wahlsieg übersetzen lasse oder ob die CDU ihren leichten Vorsprung halte, werde sich erst am Wahlabend entscheiden.
Quellen:
Interview mit Prof. Dr. Kai Arzheimer – Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Rheinland-PfalzTREND März 2026 – Repräsentative Studie im Auftrag der ARD:
Sonntagsfrage Landtagswahl, Direktwahl Ministerpräsident
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