Online-Akti­vismus – eine wirk­same neue Form der Soli­da­rität? 

Datum
04. November 2023
Autor*in
Mohamad Msuker
Redaktion
politikorange
Thema
#Gesellschaft
Beitragsbild Mohamad

Foto: Pixabay / Bastian Wiedenhaupt

Auf der Straße demons­trieren war gestern, heute wird online geklickt, geteilt und geliked. Das bringt nicht nur Vorteile mit sich, kommen­tiert Mohamad Msuker. 

Das Internet hat viel verän­dert, auch den Akti­vismus. Während man früher noch auf die Straße gehen oder Unter­schriften auf Papier sammeln musste, geht das heute alles auf Social Media. Im Jahr 2022 nutzen in Deutsch­land mehr als 50 von rund 80 Millionen Menschen soziale Medien, wie eine Bitkom-Befra­gung zeigt. Das ermög­licht Online-Aktivist*innen eine Viel­zahl an Menschen zu errei­chen – gerade in der jüngeren Gene­ra­tion. Ob auf Tiktok, auf Insta­gram oder auf X – überall sieht man Influencer*innen, die sich neben Sport, Mode oder Reisen auch mit poli­ti­schen Themen beschäf­tigen und ihre Meinung mit ihren Follower*innen teilen. 

Auf den ersten Blick wirkt das wie eine gute Entwick­lung: Alle, die über ein Gerät mit Inter­net­zu­gang verfügen, können online ihre Meinung oder Perspek­tive teilen, immer und überall. Davon hat beispiels­weise auch die Bewe­gung Fridays for Future in der Pandemie profi­tiert. Die vorwie­gend jungen Menschen, die sich für Klima­ge­rech­tig­keit einsetzen, sind eigent­lich durch ihre wöchent­li­chen Proteste auf der Straße bekannt geworden. Während der Corona-Pandemie blieben sie aber zuhause – und machten von da aus weiterhin auf ihre Anliegen aufmerksam. Online-Akti­vismus habe ihnen geholfen, während der Corona-Krise aktiv zu bleiben. Wir haben jeden Freitag Fotos mit Plakaten gemacht und hoch­ge­laden”, sagt Maya Winkler von Fridays for Future Berlin. Aber auch ohne Pandemie kann Akti­vismus in den sozialen Medien eine gute Ergän­zung sein. So ruft Fridays for Future online zu Klima­schutz-Demons­tra­tionen auf. Durch die poten­tiell endlose Reich­weite kann die Bewe­gung so viele Menschen errei­chen, die sich ihnen viel­leicht anschließen. 

Wo Vorteile sind, sind auch Nach­teile 

Die Influen­cerin Kylie Jenner hat im Rahmen des Nahost­kon­flikts eine israe­li­sche Flagge in ihrer Story geteilt – und nach einer Stunde gut eine Millionen Follower*innen verloren, wie unter anderem Page Six”, die Klatsch­seite der New York Post”, berichtet. Die Story war kurz darauf wieder offline. Das wirft die Frage auf, wie ernst­haft Influencer*innen sich online mit wich­tigen Themen beschäf­tigen und wie stand­haft sie bleiben, sobald es Gegen­wind gibt. 

Eine andere Konse­quenz von Online-Akti­vismus erfuhr das Model Gigi Hadid. Sie erhielt Mord­dro­hungen, nachdem sie auf Insta­gram teilte, dass es nicht anti­se­mi­tisch sei, die israe­li­sche Regie­rung zu verur­teilen. Das wirft die Frage auf, ob man seine Meinung online bedin­gungslos frei äußern kann – zumin­dest ohne Angst vor einem Shit­s­torm oder Andro­hung von Gewalt. 

Online-Aktivist*innen machen auf viele Themen aus der Welt aufmerksam, ob Kultu­relles oder Welt­krisen. Damit nehmen sie Einfluss auf unsere Meinungs­bil­dung, beson­ders wenn Influencer*innen mit vielen Follower*innen ihre Meinung teilen. Manche Influencer*innen wollen ihre Soli­da­rität zum Ausdruck bringen, indem sie beispiels­weise eine Flagge in ihrem Insta­gram-Profil teilen. Da bleibt die offene Frage: Trend oder Soli­da­rität? 

Trans­pa­renz­hin­weis: Mohamad Msuker ist Mitglied der Jungen Union.  

Disclaimer: Der Artikel spie­gelt ausschließ­lich die Meinung der Autorin/​des Autors wider und nicht die der Projektpartner*innen des Jugend­me­di­en­work­shops im Deut­schen Bundestag 2023 (Jugend­presse e.V., Bundes­zen­trale für poli­ti­sche Bildung, Deut­scher Bundestag).

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Jugendmedienworkshops 2023 entstanden. Das Projekt wird von der Jugendpresse Deutschland, dem Deutschen Bundestag und der Bundeszentrale für politische Bildung organisiert.


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