Abgeordnetenhauswahl in Berlin

Berlin: Die Linke erobert die Haupt­stadt

Datum
22. September 2026
Autor*innen
Amelie John , Chiara Starcke
Redaktion
politikorange
Themen
#Politik #AGHW2026

Kein*e Berliner*in konnte in den letzten Wochen das Haus verlassen, ohne an bunt plaka­tierten Laternen vorbei­zu­laufen. Denn am vergan­genen Sonntag standen die Wahlen zum Abge­ord­ne­ten­haus in der Haupt­stadt an und das in einem Monat, der poli­ti­scher nicht sein könnte. Nach den Land­tags­wahlen in Sachsen-Anhalt schaute die demo­kra­ti­sche Mehr­heit der Repu­blik gespannt auf zwei Wahlen auf Landes­ebene, in Meck­len­burg-Vorpom­mern und Berlin. 

Unsere Redak­tion, bestehend aus sechs Redak­teu­rinnen und zwei Chef­re­dak­teu­rinnen, beschäf­tigte sich am Wochen­ende mit allem rund um die Wahl in Berlin. 

Ganz nach dem Motto ​„von jungen Menschen für junge Menschen“ gingen wir ins Gespräch mit neuen Abge­ord­neten. Im Fragen­hagel standen Elina Schu­ma­cher (Grüne Jugend Berlin) und Maria Geidel (Jusos Berlin) den Redak­teu­rinnen Rede und Antwort zur Klima­po­litik, und damit verbun­dene Hürden sowie bezirks­lo­kaler Themen­set­zung. Die Jung­kan­di­da­tinnen berich­teten außerdem von ihren Erfah­rungen in der ehren­amt­li­chen Arbeit, unter anderem über Tür-zu-Tür-Wahl­kampf und Anfein­dungen. 

Über das Wahl­wo­chen­ende beschäf­tigten sich unsere Redak­teu­rinnen unter anderem mit einem Pilot­pro­jekt, das Wahlen für Wohnungs­lose erleich­tern soll, den Auswir­kungen vom Einsatz von Künst­li­cher Intel­li­genz in Wahl­wer­bung oder Kürzungen in der Berliner Kultur­branche. Auch die Konse­quenzen des nicht umge­setzten Volks­ent­scheids von ​„Deut­sche Wohnen & Co. Enteignen“ auf die Bevöl­ke­rung sowie die Wähler*innenwanderung wurden unter die Lupe genommen. 

Am Sonn­tag­abend mischten sich die Redak­teu­rinnen unter Kolleg*innen sowie Politiker*innen und nahmen an den Wahl­partys der Linken, der Grünen sowie der CDU und der SPD teil. Während die Stim­mung im Fest­saal Kreuz­berg nach dem einge­fah­renen Wahl­sieg der Linken ausge­lassen war, herrschte im Astra Kultur­haus bei der SPD betrübtes Schweigen über das Ergebnis. Unsere Redak­teu­rinnen erlebten die Wahl­party bei der CDU als ange­spannt, über­rascht sei man über das Ergebnis aller­dings nicht gewesen. Die Stim­mung im Gaso­meter bei den Grünen seien laut unseren Redak­teu­rinnen gemischt gewesen: Einer­seits wurde das Ergebnis ernüch­tert aufge­nommen – dass für eine Koali­tion die Grünen aller­dings notwendig seien, hob die Stim­mung doch. 

Am Montag­morgen zeigte sich: Die Linke konnte mit 25,7 Prozent der Wähler*innenstimmung auf sich vereinen und zieht damit als stärkste Kraft ins Abge­ord­ne­ten­haus ein. Mit diesem Ergebnis über­steigt die Partei noch einmal deut­lich die vorher prognos­ti­zierten rund 21 Prozent. Darauf folgt die CDU mit 18,8 Prozent, während die AfD mit 16,3 Prozent die dritt­stärkste Partei wird. Dahinter holen die Grünen 14,3 Prozent und die SPD kommt mit starken Einbußen auf knapp über 12 Prozent. Das BSW verfehlt mit 4,7 Prozent den Einzug ins Rote Rathaus. 

Diese Ergeb­nisse ordnete uns am Montag der Poli­tik­wis­sen­schaftler Aiko Wagner der Freien Univer­sität Berlin ein. Den Grund des histo­ri­schen Siegs der Linken sieht er in der Themen­kon­junktur, da Wohnungs­po­litik thema­tisch mit den Linken asso­zi­iert werde, wie früher die Klima­po­litik den Grünen Aufschwung brachte. Bei anderen Parteien wie den Sozi­al­de­mo­kraten sieht der Wissen­schaftler Visi­ons­mangel. 

Um auf eine Mehr­heit mit 80 Sitzen zu kommen, wäre laut Ergebnis eine Regie­rung aus Linke, Grünen und SPD mit 95 Sitzen möglich. Ebenso bietet sich die Option aus CDU, Grünen und SPD – hier kämen die Parteien mit 82 Sitzen knapp über die erfor­der­liche Mehr­heit. Auf welche Koali­tion sich die gewählten Parteien schluss­end­lich einigen können und welche Zukunft sich für die anderen bietet, werden also die kommenden Wochen und Verhand­lungen im poli­ti­schen Berlin zeigen. 


Empfohlene Beiträge

Werde Teil unserer Community!

Entdecke spannende Geschichten, vernetze dich mit anderen jungen Journalist*innen und gestalte die Medienlandschaft von morgen mit. Entdecke jetzt unsere zahlreichen Angebote:

Wehrpflicht Redaktion Gruppenbild