Gerade im Zuge der Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg, griffen Parteien in ihren Wahlkampf Themen auf, die auf Landesebene eigentlich nur begrenzt beeinflusst werden können.
Politik endet längst nicht mehr an nationalen Grenzen. Entscheidungen, die in Europäischen Institutionen getroffen werden, beeinflussen die Gesetzgebung im Bund und reichen bis in die Bundesländer hinein. Brüssel beschließt, Berlin verhandelt und in Stuttgart zeigt sich, welche Auswirkungen diese Entscheidungen auf die Landespolitik haben.
Vor allem die Problematik um die Arbeitsplatzverluste in der Automobilindustrie, welche in Baden-Württemberg eine große wirtschaftliche Bedeutung hat, wurde oft für einen möglichen Wählerzuwachs instrumentalisiert. Unternehmen wie Mercedes Benz, Porsche oder Bosch sind wichtige Arbeitgeber in der Region, womit die wirtschaftliche Lage dieser einen großen Teil der Wählerschaft betrifft.
Politische Versprechen und europäische Zuständigkeit
Im Wahlkampf wird deshalb häufig das „Verbrenner-Aus“ thematisiert. Diese Regelung wurde jedoch auf EU-Ebene beschlossen und sieht vor, dass ab 2035 neue Autos nur ohne CO₂-Ausstoß zugelassen werden sollen.
Ein Bundesland wie Baden-Württemberg kann diese Entscheidung daher nicht selbst ändern oder verhindern.
Dennoch greifen Parteien das Thema in ihren Wahlprogrammen auf, vertreten unterschiedliche Positionen dazu und möchten mit ihrem Standpunkt Wählerstimmen für sich gewinnen.
Die CDU betont beispielsweise die Bedeutung des Automobilsektors als Leitindustrie für Baden-Württemberg. In ihrem Programm spricht sie sich für Technologieoffenheit aus und plädiert unter anderem dafür, das geplante Verbrenner-Verbot auf EU-Ebene zu überdenken sowie verschiedene Antriebstechnologien etwa Elektro Autos Hybridfahrzeuge oder synthetische Kraftstoffe, weiterhin zu berücksichtigen.
Die Grünen legen das Augenmerk hingegen stärke auf den Ausbau der Elektromobilität und sehen darin eine zentrale Zukunftstechnologie für die Automobilindustrie. Ziel ist es, Baden-Württemberg zu einem führenden Standort für Elektromobilität zu entwickeln.
Zwar wird innerhalb der EU weiterhin über mögliche Anpassungen der Regelung diskutiert, etwa durch die EU-Kommission. Dennoch zeigt dieses Beispiel, dass manche Wahlkampfthemen nicht direkt von der Landespolitik entschieden werden können, auch wenn sie im Wahlkampf stark betont werden.
Verbrenner-Aus als Verordnung – ein langer Weg bis ins Bundesland?
Die EU-Kommission besitzt das Initiativrecht, also darf sie Gesetzesvorschläge unterbreiten die als Vorlage an das EU-Parlament und den Ministerrat der EU weitergereicht werden. In fast allen Bereichen wie beispielsweise Agrar‑, Asyl‑, Verbraucher- oder Energiepolitik sind Rat und Parlament gleichgestellt, dies nennt man auch ordentliches Gesetzgebungsverfahren. Bevor der fertige Beschluss an die jeweiligen Mitgliedsstaaten weitergereicht wird, unterscheidet man hierbei nochmal zwischen Richtlinie und Verordnung.
Beim “Verbrenner- Aus” handelt es sich hierbei um eine Verordnung, die, nach Inkrafttreten verbindlich in allen Mitgliedstaaten gilt. Im Gegensatz dazu lässt eine Richtlinie wesentlich mehr Spielraum in der Umsetzung. Die Umsetzungsfrist und das konkrete Ziel sind vorgegeben, den Mitgliedstaaten bleibt jedoch selbst überlassen, mit welchen nationalen Gesetzen und Maßnahmen sie diese Ziele erreichen.
Deutschland wird im Rat der EU durch den jeweils zuständigen Fachminister vertreten. Sind die Bundesländer also von der Gesetzgebung betroffen, muss die Bundesregierung diese auch durch den Bundesrat oder die Ministerkonferenz beteiligen. Setzten Länder die EU-Vorgaben durch eigene Gesetzte um, werden diese vom Landtag in mehreren Lesungen und Abschüssen beschlossen.
Gerade an diesem Ablauf und dem Beispiel des „Verbrenner-Aus“ zeigt sich, wie eng europäische Entscheidungen mit der Landespolitik verknüpft sind. Viele Themen, die im Wahl Kampf auf Landesebene diskutiert werden, entstehen nicht allein in Stuttgart oder Berlin, sondern bereits in Brüssel.
Gleichzeitig bedeutet das jedoch nicht, dass die Bundesländer keinen Einfluss haben. Über verschiedene Wege können sie ihre Interessen in europäische Entscheidungsprozesse einbringen, beispielsweise über die EU-Auschüsse oder den Auschuss der Regionen.
Gerade im Zuge einer Landtagswahl wird selten darüber nachgedacht, auf welcher politischen Ebene Entscheidungen eigentlich getroffen werden. Dabei haben viele der diskutierten Themen ihren Ursprung längst auf EU-Ebene.
