Landtagswahl in Baden-Württemberg

Persön­lich­keit bestimmt den Wahl­er­folg

Datum
12. März 2026
Autor*in
Annabelle Krause
Redaktion
politikorange
Themen
#Politik #LTWBW26
Die Jungparteivorstände aus Baden-Württemberg sind sich einig: die Landtagswahl war ein Kampf der Ministerpräsidenten, nicht der Parteien.

Die Jungparteivorstände aus Baden-Württemberg sind sich einig: die Landtagswahl war ein Kampf der Ministerpräsidenten, nicht der Parteien.

Jugendpresse Deutschland e.V. / Liz Hoeser 

Nicht nur Parteien und ihr Wahl­pro­gramm führen Wahl­kämpfe, sondern auch die bekannten Gesichter der Partei­spitzen. Welche Rolle die Sozialen Medien dabei einnehmen, beur­teilen die Vorstände der Jung­par­teien aus Baden-Würt­tem­berg. 

Lieber ein konser­va­tiver Grüner als ein sexis­ti­scher Konser­va­tiver – das schien das domi­nie­rende Wahl­kampf­thema der dies­jäh­rigen Land­tags­wahl in Baden-Würt­tem­berg gewesen zu sein. In den Medien wurden in erster Linie die beiden Minis­ter­prä­si­dent-Kandi­daten Manuel Hagel und Cem Özdemir beleuchtet – und die Aufreger-Debatte, um das Rehaugen”-Interview Hagels. Auch auf Kanälen wie Insta­gram und TikTok präsen­tierten die Parteien ihre eigenen Kandidat*innen und verschoben konkrete Wahl­ver­spre­chen in den Hinter­grund. Das sei aber keine Baden-Würt­tem­ber­gi­sche Eigen­heit, sondern ein deutsch­land­weiter Wahl­kampf-Trend: Poli­tiker und Poli­ti­ke­rinnen bekommen mehr Aufmerk­sam­keit als die konkreten poli­ti­schen Inhalte“, sagt Patrick Bern­hagen, Poli­tik­wis­sen­schaftler an der Univer­sität Stutt­gart. 

Es handelt sich um eine Wahl­kampf­stra­tegie, die von Seiten der Parteien aktiv einge­setzt wird und sich in der Bericht­erstat­tung der Medien wider­spie­gelt. Es sei psycho­lo­gisch veran­kert, dass sympa­thi­sche und offene Menschen vertrau­ens­voll wirken, erklärt der Poli­tik­wis­sen­schaftler. In dieser Prägung haben Parteien einen Vorteil entdeckt und nutzen nun die sozialen Platt­formen, um ihre Inhalte zu vermit­teln und eine Bindung zu ihren Wähler*innen aufzu­bauen. 

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Patrick Bernhagen fokussiert sich auf den Forschungsbereich langfristige Wahltrends

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Patrick Bernhagen fokussiert sich auf den Forschungsbereich langfristige Wahltrends

Jugendpresse Deutschland e.V. / Liz Hoeser

Mehr Geld und Einsatz für die Sozialen Medien 

Daniel Krušič (SPD), Vorstand der Jusos Baden-Würt­tem­berg, kriti­siert, dass bei diesen Land­tags­wahlen die poli­ti­schen Inhalte zu kurz gekommen seien: Es wurde zu wenig darüber disku­tiert, in welchem Land wir leben wollen und zu viel, wer Minis­ter­prä­si­dent werden sollte“. Zudem sei ihm im Nach­gang der jüngsten Bundes­tags­wahl aufge­fallen, dass die mediale Präsenz der Parteien nach der Wahl wieder gesunken sei. Das ist ein Riesen­fehler, weil man so eigent­lich eine lang­fris­tige Verbin­dung zu den Wähler*innen schaffen könnte, die es braucht”, sagt er. Der Juso-Chef sehe in den Sozialen Medien eigent­lich eine Chance für die Parteien. Dafür bräuchte es aber noch eine wich­tige Verän­de­rung: Das veral­tete Denken, dass beispiels­weise auf TikTok nur Tanz­vi­deos Reich­weite gene­rieren, müsse abge­legt werden. 

Auch Theresa Fidušek (GRÜNE), Vorstands­mit­glied der Grünen Jugend BW sieht mehr Poten­tial in den Sozialen Medien. Wir inves­tieren inzwi­schen mehr finan­zi­elle Mittel in Social Media“, erklärt sie. Die Partei und sie erhoffen sich, dass Wählende Vertrauen zu bekannten Gesich­tern ihrer Partei aufbauen. Dadurch steige die Chance nach­haltig poli­ti­sche Inhalte vermit­teln zu können. Fidušek nehme wahr, wie die Parteien im Allge­meinen immer mehr auf ihre Reprä­sen­ta­tion auf Insta­gram, TikTok und Co setzten und diese Kanäle im Wahl­kampf an Bedeu­tung gewinnen. 

Die Vorstände der Jungparteien aus Baden-Württemberg stellen sich den Fragen der Politik Orange-Redaktion. Von links nach rechts: Anna Stubert, Ezra Greiner, Nils Wagner, Theresa Fidušek und Daniel Krusic.

Die Vorstände der Jungparteien aus Baden-Württemberg stellen sich den Fragen der Politik Orange-Redaktion. Von links nach rechts: Anna Stubert, Ezra Greiner, Nils Wagner, Theresa Fidušek und Daniel Krusic.

Jugendpresse Deutschland e.V. / Liz Hoeser

Nicht jede Partei kann sich ein PR-Team für den Wahl­kampf leisten 

Als einer der Landes­spre­cher der Links-Hohen­zoller-Baden-Würt­tem­berg sieht Nils Wagner (LINKE) eine Chan­cen­un­gleich­heit in dem Wahl­kampf auf den Sozialen Medien. Wir haben im Gegen­satz zu den anderen Parteien nicht so einen großen Mitar­bei­ter­stamm und sind finan­ziell enger geschnallt“, sagt Wagner. Nicht jede Partei könne sich ausge­reifte PR-Agen­turen und Bera­tung für die Bespie­lung der Platt­formen leisten. Zudem sieht er die Gefahr, dass über diese Kanäle eine verfas­sungs­feind­liche Politik beworben werden kann. Denn Beiträge, mit denen viel inter­agiert wird, werden von dem Algo­rithmus als rele­vanter einge­stuft und häufiger ausge­spielt. So werden Infor­ma­tionen durch die Technik gefil­tert bis noch Bruch­stücke übrig­bleiben. 

Anna Stubert (FDP), Vorstand der Jungen Libe­ralen BW, weist auf ein weiteres Problem der Debatte hin: Wir als Parteien müssen Präsenz zeigen und auch an Schulen für mehr Aufklä­rung über die Gefahren der Platt­formen sorgen“. Der Wahl­kampf solle nicht ausschließ­lich über Soziale Medien statt­finden, sondern es müsse auch auf klas­si­sche Methoden wie Haus­tür­wahl­kampf, Tele­fon­ge­spräche und Events gesetzt werden. 

Die Land­tags­wahl in Baden-Würt­tem­berg zeigt, wie sich poli­ti­sche Kommu­ni­ka­tion verän­dert hat. Reich­weite entsteht dort, wo Inhalte emotional anschluss­fähig sind und Gesichter im Mittel­punkt stehen. Für Parteien bleibt die Aufgabe, aus kurz­fris­tiger Aufmerk­sam­keit eine lang­fris­tige poli­ti­sche Kommu­ni­ka­tion zu entwi­ckeln. Gelingt die Balance zwischen inhalt­li­cher Tiefe und digi­taler Reich­weite könnten Soziale Medien den Zugang zu poli­ti­scher Teil­habe positiv beein­flussen. 


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