Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

Wahl­wer­bung in MV – kreativ oder schon längst aus dem Trend?

Datum
24. September 2026
Autor*in
Enya Schwertfeger
Redaktion
politikorange
Themen
#LTWMV26 #Politik
Heruntergerissene und beschmierte FDP-Plakate.

Heruntergerissene und beschmierte FDP-Plakate.

Jugendpresse Deutschland e.V. / Lea Wendt

Nur selten schweift der Blick der Menschen in Meck­len­burg-Vorpom­mern hinauf zu den Later­nen­pfählen, doch in den vergan­genen Wochen sollte dies häufiger vorge­kommen sein. Dort sind die Gesichter und Wahl­slo­gans der verschie­denen Parteien ange­bracht – von der Partei Die Linke bis zur CDU sind alle wieder­zu­finden. 

Chris­tian Pfeiffer, Poli­tik­wis­sen­schaftler aus Rostock, erläu­tert, wie stark die Ziel­set­zung in den Wahl­slo­gans zur Geltung komme: ​„Im Fokus steht immer mehr die Ober­fläch­lich­keit, es wird kaum noch auf den Inhalt geguckt.“ Beson­ders auffällig sei auch, dass bei der aktu­ellen Land­tags­wahl in MV die Wahl­pla­kate mit weniger Text, dafür aber mehr mit Bildern und Persön­lich­keiten geschmückt sind. Iden­ti­täten rücken nun mehr in den Fokus der Wahl­wer­bung – mit Wahl­slo­gans wie ​„Die Frau gegen blau“ oder ​„Team Manu“ setzte die SPD dies konkret um. 

Wahl­pla­kate im Wandel der Digi­ta­li­sie­rung 

Trotzdem bewertet Pfeiffer die Effek­ti­vität der Wahl­pla­kate als gleich­blei­bend. Jedoch beob­achtet er eine Entwick­lung: ​„Die Wahl­pla­kate sehen immer mehr aus wie Kacheln, was stark an einer Art ​‚Social-Media-Media­ti­sie­rung ‘ des analogen Raums liegen könnte. “ Gene­rell lässt sich bei vielen Parteien eine stei­gende Präsenz zur Wahl­wer­bung über Social-Media-Platt­formen wie TikTok oder Insta­gram erkennen. Frans Hübner von der Partei Die Linke und Listen­kan­didat für Rügen erklärt: ​„Du musst halt dahin gehen, wo die Leute sind.“ Auch Sebas­tian Hüller, Listen­kan­didat für die Grünen in Schwerin, ist der Meinung, dass die Menschen sich zuneh­mend über Social-Media zu den Partei­in­halten infor­mieren. Dies könnte unter anderem ein Grund dafür sein, warum der Poli­tiker einen Tag vor der Wahl auf einen 24-Stunden-Live­stream setzte. 

Mit der Digi­ta­li­sie­rung der Wahl­wer­bung kann man auch verstärkt den Trend zur Nutzung von künst­li­cher Intel­li­genz auf Wahl­pla­katen beob­achten. Zu der Frage, ob KI im Wahl­kampf einge­setzt werden würde, antwortet Hübner und Brian Kipke, Listen­kan­didat für die FDP, sehr gegen­sätz­lich. Kipke benutze zusammen mit seiner Partei KI für die Wahl­kampf­wer­bung, beispiels­weise auf Social-Media für die Bilder­stel­lungen. Er stellt jedoch klar: ​„Ich benutze niemals KI ohne entspre­chende Kenn­zeich­nung.“ Hübner stelle sich mit seiner Partei Die Linke klar gegen die Nutzung von KI für die Wahl­kampf­wer­bung. 

Wahl­slo­gans unter der Lupe – spre­chen sie MV wirk­lich an?  

Doch welche Themen reizen die Menschen in MV wohl aktuell am meisten und verstehen die Parteien ihr Bundes­land auch so gut, sodass die Wahl­wer­bung für die Wähler über­zeu­gend wirkt? Frans Hübner von den Linken meint: ​„Ohne soziale Sachen funk­tio­niert in MV nichts. Auf Rügen geht’s ohne soziale Gelder und Infra­struktur nicht voran.“ Kipke vertritt die Ansicht, dass die Ziele auf den Wahl­slo­gans seiner Partei leicht umsetzbar wären. Er stellt ​„Bildung als wich­tigstes Thema“ in den Fokus, doch Wahl­pla­kate von der FDP gebe es dazu keine. Laut Kipke liege es an den Meinungen der anderen Kollegen, deren Themen­vor­schläge stärker zur Prio­rität wurden als seine. 

„Bus? – Muss!“ oder ​„Bahn? – Ausbau!“ hat bestimmt jeder schon mal in MV gelesen, wenn man an den Wahl­pla­katen der Grünen vorbei­spa­ziert. Sebas­tian Hüller erklärt, was hinter der ​„Zwei-Wort-Kampagne“ steckt: ​„Es bleibt hängen. Das war eine Design­ent­schei­dung, wo wir ganz klar gesagt haben: ​‚Das ziehen wir durch!‘“ Hüller habe das dama­lige ​„Problem“ der Wahl­kampf­wer­bung der Grünen erkannt: ​„Wir reden viel zu lang und zu kompli­ziert, auch auf Wahl­pla­katen und das haben wir dieses Mal radikal abge­än­dert.“ Selbst Kipke aus der FDP erwi­dert, dass die ​„Zwei-Wort-Kampagne“ eine sehr gute Idee von den Grünen sei und würde sie sogar als über­zeu­gend einstufen. 

Dennoch hinter­lässt die Wahl­wer­bung bei den Betrach­tern Gefühle: Beschmierte, abge­ris­sene oder wegge­wor­fene Plakate sieht man öfter in den Straßen von MV. Frans Hübner aus der Linken berichtet über den Frust, der entsteht, wenn Plakate beschmiert oder zerstört werden: ​„Es steckt viel Aufwand und Arbeit hinter der Wahl­wer­bung.“ Deswegen wolle er seine Wähler und auch keine anderen Menschen dazu animieren gegne­ri­sche Partei­pla­kate zu beschä­digen. Jedoch versteht der Poli­tiker der Linken auch das Motiv hinter der Tat, zumin­dest wenn es um Sach­be­schä­di­gung bei AFD-Wahl­pla­katen geht: ​„Die Menschen werden radi­kaler, um gegen den Faschismus anzu­kämpfen.“ 


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