Klartxt: Social Media Verbot unter 16 Jahren?

Datum
12. Juni 2026
Autor*innen
Ida Leinfelder , Jana Bringmann
Redaktion
politikorange
Thema
#Gesellschaft
Klartxt1 Social Media

Bild: Jugendpresse Deutschland e.V. / Ida Leinfelder

Wir haben disku­tiert.

Eine 19-Jährige Ameri­ka­nerin zieht in Kali­for­nien vor Gericht: Sie wirft Social Media Platt­formen vor, ihre Nutzer*innen absicht­lich süchtig zu machen. Auch in Deutsch­land wird seither viel über die Nutzung sozialer Medien disku­tiert, häufig mit Blick auf deren Risiken für Kinder und Jugend­liche.

Eine im September 2025 veröf­fent­lichte Studie des ifo-Insti­tuts zeigt, dass die Meinungen zwischen Jugend­li­chen und Erwach­senen deut­lich ausein­an­der­gehen: 47% der Jugend­li­chen sind sehr oder eher für ein Social Media Verbot unter 16 Jahren. Bei den Erwach­senen sind es 85%! Span­nend ist auch, je jünger die Befragten, desto stärker lehnen sie ein Verbot ab. Etwas mehr als die Hälfte der 14- und 15-Jährige gaben in der Befra­gung an, eher oder sehr gegen ein Verbot zu sein. Wir haben die Redakteur:innen der offenen Redak­tion von politikorange gefragt, was sie von einem solchen Verbot halten.

Ein Sammelartikel der offenen politikorange Redaktion1

Das sagt die Redak­tion 

Ein Social Media Verbot ist für mich die falsche Heran­ge­hens­weise. Verant­wort­lich für die Probleme, die mit Social Media einher­gehen, sind Unter­nehmen, deren Umsatz auf einer Aufmerk­sam­keits­öko­nomie aufbaut. Dementspre­chend gilt es, die Unter­nehmen in die Verant­wor­tung zu ziehen und nicht den Jugend­li­chen ein wich­tiges Sprach­rohr für ihre poli­ti­schen Inter­essen zu nehmen. Imke, 21 Jahre, Nieder­sachsen

Meiner Meinung nach ist ein Verbot von Social Media für Kinder und Jugend­liche nicht die rich­tige Lösung, aber leider ist sie, bis auf Weiteres, die notwen­dige. Um Kinder und Jugend­liche vor Gefahren im Netz und in den sozialen Netz­werken zu schützen sollten wir die Lösung nicht auf ihrer Seite suchen: Statt essen­zi­elle Kommu­ni­ka­ti­ons­mög­lich­keiten für Teens abzu­würgen, in der Über­zeu­gung das Beste für sie zu wollen, sollte man für bessere und stren­gere Regu­lie­rungen und Mode­ra­tion in den Netz­werken und bei den Konglo­me­raten der Social-Media-Platt­formen selber plädieren. Bis zu einem solchen Zeit­punkt ist unsere Gesell­schaft dazu genö­tigt, andere Methoden, wie das Verbot von Social Media, zu finden, um Kinder und Jugend­liche vor Gefahren im Netz zu hüten und zu bewahren. Evelin, 18 Jahre, Bayern

Die schäd­li­chen Wirkungen von Social Media werden zuneh­mend erforscht und geben Anlass zur Sorge.” Leon, 19 Jahre, Rhein­land-Pfalz

Ich finde nicht, dass es ein gene­relles Social-Media-Verbot für Kinder und Jugend­liche in Deutsch­land geben sollte. Soziale Medien gehören heute zum Alltag junger Menschen dazu – dort infor­mieren sie sich, tauschen sich aus und enga­gieren sich auch poli­tisch. Gleich­zeitig braucht es aber stär­kere Regeln zum Schutz von Minder­jäh­rigen, zum Beispiel gegen Desin­for­ma­tion, Cyber­mob­bing und Sucht­me­cha­nismen. Statt eines Verbots wären Medi­en­bil­dung, klare Alters­kon­trollen und mehr Verant­wor­tung der Platt­formen aus meiner Sicht der bessere Weg. Julian, 18 Jahre, Thüringen

Die schäd­li­chen Wirkungen von Social Media werden zuneh­mend erforscht und geben Anlass zur Sorge. Deshalb halte ich ein Verbot für Kinder für sinn­voll, um sie vor unkon­trol­liertem und poten­ziell schäd­li­chem Konsum zu schützen. Mit zuneh­mendem Alter wächst jedoch die Fähig­keit zur kriti­schen Nutzung, sodass die Regeln etwa ab 16 Jahren schritt­weise gelo­ckert werden könnten. Die Verant­wor­tung liegt dabei jedoch vor allem bei den großen Platt­formen, deren sucht­för­dernde Algo­rithmen gezielt auf maxi­male Aufmerk­sam­keit ausge­richtet sind, als bei den jungen Nutze­rinnen und Nutzern. Leon, 19 Jahre, Rhein­land-Pfalz

Ein Sammelartikel der offenen politikorange Redaktion3

Bild: Jugendpresse Deutschland / Ida Leinfelder

Wer soziale Netz­werke nutzt, setzt sich damit auch immer verschie­denen Gefahren aus.“ Nicole, 22 Jahre, Saar­land

Es sollte kein Social Media Verbot geben, denn durch Verbote können keine Probleme gelöst werden. Statt­dessen sollten Kinder und Jugend­liche von Anfang an Medi­en­kom­pe­tenz lernen, um sich sicher im Internet bewegen zu können. Emma, 24 Jahre, Nieder­sachsen

Ja, es sollte ein Social-Media-Verbot für Jugend­liche geben. Social Media birgt viele Gefahren: Unge­fil­tertes Teilen von Meinungen oder Falsch­in­for­ma­tionen, Repro­duk­tion von Schön­heits­idealen, welche Jugend­liche verun­si­chern oder auch Cyber­bul­lying. Es sollte aber kein Verbot im Sinne von die Regie­rung verbietet das“ sondern ein Verbot zum Schutz der Jugend sein. Das müssen sie verstehen, damit sie sich nicht bevor­mundet oder kontrol­liert fühlen. Kati, 21 Jahre, Saar­land

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Grafik: Jugendpresse Deutschland / Ida Leinfelder

Ich halte ein gene­relles Social-Media-Verbot für Kinder und Jugend­liche in Deutsch­land nicht für sinn­voll, da unsere Welt in sämt­li­chen Berei­chen globa­li­siert und digi­ta­li­siert wird und ein bewusster Umgang mit sozialen Medien gelernt werden muss. Außerdem fördern die rich­tigen Sozialen Medien Austausch, Inspi­ra­tion und freie Meinungs­bil­dung. Aller­dings halte ich viele Platt­formen, Algo­rithmen und Inhalte unan­ge­messen für Kinder und Jugend­liche. Deshalb bin ich gegen ein allge­meines Verbot, aber für stren­gere Regu­lie­rungen und ein Verbot bestimmter Apps wie TikTok. Lara, 16 Jahre, Nieder­sachsen

Wer soziale Netz­werke nutzt, setzt sich damit auch immer verschie­denen Gefahren aus. Der Aufbau der Platt­formen macht es schwer, den eigenen Konsum selbst einzu­schränken, weil sie eine unend­liche Menge an Inhalten ausspielen, die algo­rith­misch ans eigene Inter­es­sen­profil ange­passt werden. Diese Inhalte beein­flussen Meinungen und Hand­lungen. Auch Mobbing und Hate Speech in Kommen­tar­spalten sind keine Selten­heit. Ein Verbot würde helfen, Kinder und Jugend­liche vor solchen Gefahren zu schützen, gleich­zeitig betreffen diese Probleme aber auch ältere Nutzer*innen und es wäre sinn­voll, die Anbieter durch stren­gere Richt­li­nien enger in die Verant­wor­tung zu ziehen. Nicole, 22 Jahre, Saar­land

Ein Sammelartikel der offenen politikorange Redaktion2

Bild: Jugendpresse Deutschland / Ida Leinfelder

Social Media sollte gesünder für alle werden, da es ein Raum für inter­na­tio­nalen und inter­ge­ne­ra­tio­nalen Austausch ist.” Alma, 18 Jahre, Berlin

Ich halte ein Social-Media-Verbot für die falsche Behand­lung des Problems. Klar leiden viele unter, aber auch über, 16 Jahren unter Sucht- oder Miss­brauchs­pro­blemen im Zusam­men­hang mit Sozialen Medien, aber restrik­tive Politik war niemals eine passende Lösung. Statt­dessen könnte man mehr Freizeitaktivitäten/​Programme für unter 16-Jährige finan­zieren und die digi­tale Sicher­heit stärken. Soziale Medien sind welt­weit wichtig für moderne Kommu­ni­ka­tion, und ihr Verbot hätte nur regres­sive Folgen für jüngere Gene­ra­tionen. Mohamed, 22 Jahre, Berlin

Ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugend­liche ist sinn­voll und nötig. Es schützt Kinder und Jugend­liche vor Abhän­gig­keit, den Folgen dieser, vor extre­mis­ti­schen Inhalte sowie vor kinder- und jugend­ge­fähr­denden Inhalten. Ein mögli­ches Verbot lässt sich aller­dings durch VPN leicht umgehen. Die Frage ist dann, wie sehr dieses Verbot umsetzbar ist. Julius, 24 Jahre, Nord­rhein-West­falen 

Social Media sollte gesünder für alle werden, da es ein Raum für inter­na­tio­nalen und inter­ge­ne­ra­tio­nalen Austausch ist. Ein Verbot für Jugend­liche lässt nur die Grenzen zum Darknet verschwimmen und hält alle ab 16 oder 18 weiterhin süchtig und krank. Anders als bei anderen süch­tig­ma­chenden Substanzen haben wir ohne die Platt­formen diese Mecha­nismen nicht und die sozialen Medien sind daher einfa­cher und effek­tiver zu regu­lieren als andere Drogen. Und auch wenn man den Umgang mitein­ander im Netz regu­liert, müssen wir sehen, dass es immer auch der Umgang unter Menschen ist. Also sollten wir gene­rell über­legen, wie wir alle besser mitein­ander, statt gegen­ein­ander leben können. So insge­samt. Alma, 18 Jahre, Berlin

Auch wenn ich mitt­ler­weile aus dem Alter heraus bin, in dem mich ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugend­liche direkt betreffen würde, lehne ich ein solches strikt ab. Große Social-Media-Platt­formen dienen heute für einen erheb­li­chen Teil der Jugend als wich­tige Infor­ma­ti­ons­quelle, über die das aktu­elle Zeit­ge­schehen nahezu in Echt­zeit verfolgt werden kann und die neue Möglich­keiten zur poli­ti­schen Infor­ma­tion und Meinungs­bil­dung schaffen. Über soziale Medien konnten in den vergan­genen Jahren etwa der Genozid in Gaza unmit­telbar doku­men­tiert und welt­weit sichtbar gemacht werden, wodurch viele junge Menschen Zugang zu Perspek­tiven erhielten, die in klas­si­schen Medien teil­weise weniger präsent waren. Clemens, 22 Jahre, Nord­rhein-West­falen

Der Artikel ist im Rahmen der offenen Redaktion entstanden. Bei Fragen, Anregungen, Kritik und wenn ihr selbst mitmachen mögt, schreibt uns eine Mail an redaktion@jugendpresse.de 


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