Wir haben diskutiert.
Eine 19-Jährige Amerikanerin zieht in Kalifornien vor Gericht: Sie wirft Social Media Plattformen vor, ihre Nutzer*innen absichtlich süchtig zu machen. Auch in Deutschland wird seither viel über die Nutzung sozialer Medien diskutiert, häufig mit Blick auf deren Risiken für Kinder und Jugendliche.
Eine im September 2025 veröffentlichte Studie des ifo-Instituts zeigt, dass die Meinungen zwischen Jugendlichen und Erwachsenen deutlich auseinandergehen: 47% der Jugendlichen sind sehr oder eher für ein Social Media Verbot unter 16 Jahren. Bei den Erwachsenen sind es 85%! Spannend ist auch, je jünger die Befragten, desto stärker lehnen sie ein Verbot ab. Etwas mehr als die Hälfte der 14- und 15-Jährige gaben in der Befragung an, eher oder sehr gegen ein Verbot zu sein. Wir haben die Redakteur:innen der offenen Redaktion von politikorange gefragt, was sie von einem solchen Verbot halten.
Das sagt die Redaktion
Ein Social Media Verbot ist für mich die falsche Herangehensweise. Verantwortlich für die Probleme, die mit Social Media einhergehen, sind Unternehmen, deren Umsatz auf einer Aufmerksamkeitsökonomie aufbaut. Dementsprechend gilt es, die Unternehmen in die Verantwortung zu ziehen und nicht den Jugendlichen ein wichtiges Sprachrohr für ihre politischen Interessen zu nehmen. Imke, 21 Jahre, Niedersachsen
Meiner Meinung nach ist ein Verbot von Social Media für Kinder und Jugendliche nicht die richtige Lösung, aber leider ist sie, bis auf Weiteres, die notwendige. Um Kinder und Jugendliche vor Gefahren im Netz und in den sozialen Netzwerken zu schützen sollten wir die Lösung nicht auf ihrer Seite suchen: Statt essenzielle Kommunikationsmöglichkeiten für Teens abzuwürgen, in der Überzeugung das Beste für sie zu wollen, sollte man für bessere und strengere Regulierungen und Moderation in den Netzwerken und bei den Konglomeraten der Social-Media-Plattformen selber plädieren. Bis zu einem solchen Zeitpunkt ist unsere Gesellschaft dazu genötigt, andere Methoden, wie das Verbot von Social Media, zu finden, um Kinder und Jugendliche vor Gefahren im Netz zu hüten und zu bewahren. Evelin, 18 Jahre, Bayern
„Die schädlichen Wirkungen von Social Media werden zunehmend erforscht und geben Anlass zur Sorge.” Leon, 19 Jahre, Rheinland-Pfalz
Ich finde nicht, dass es ein generelles Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche in Deutschland geben sollte. Soziale Medien gehören heute zum Alltag junger Menschen dazu – dort informieren sie sich, tauschen sich aus und engagieren sich auch politisch. Gleichzeitig braucht es aber stärkere Regeln zum Schutz von Minderjährigen, zum Beispiel gegen Desinformation, Cybermobbing und Suchtmechanismen. Statt eines Verbots wären Medienbildung, klare Alterskontrollen und mehr Verantwortung der Plattformen aus meiner Sicht der bessere Weg. Julian, 18 Jahre, Thüringen
Die schädlichen Wirkungen von Social Media werden zunehmend erforscht und geben Anlass zur Sorge. Deshalb halte ich ein Verbot für Kinder für sinnvoll, um sie vor unkontrolliertem und potenziell schädlichem Konsum zu schützen. Mit zunehmendem Alter wächst jedoch die Fähigkeit zur kritischen Nutzung, sodass die Regeln etwa ab 16 Jahren schrittweise gelockert werden könnten. Die Verantwortung liegt dabei jedoch vor allem bei den großen Plattformen, deren suchtfördernde Algorithmen gezielt auf maximale Aufmerksamkeit ausgerichtet sind, als bei den jungen Nutzerinnen und Nutzern. Leon, 19 Jahre, Rheinland-Pfalz
Bild: Jugendpresse Deutschland / Ida Leinfelder
“Wer soziale Netzwerke nutzt, setzt sich damit auch immer verschiedenen Gefahren aus.“ Nicole, 22 Jahre, Saarland
Es sollte kein Social Media Verbot geben, denn durch Verbote können keine Probleme gelöst werden. Stattdessen sollten Kinder und Jugendliche von Anfang an Medienkompetenz lernen, um sich sicher im Internet bewegen zu können. Emma, 24 Jahre, Niedersachsen
Ja, es sollte ein Social-Media-Verbot für Jugendliche geben. Social Media birgt viele Gefahren: Ungefiltertes Teilen von Meinungen oder Falschinformationen, Reproduktion von Schönheitsidealen, welche Jugendliche verunsichern oder auch Cyberbullying. Es sollte aber kein Verbot im Sinne von „die Regierung verbietet das“ sondern ein Verbot zum Schutz der Jugend sein. Das müssen sie verstehen, damit sie sich nicht bevormundet oder kontrolliert fühlen. Kati, 21 Jahre, Saarland
Grafik: Jugendpresse Deutschland / Ida Leinfelder
Ich halte ein generelles Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche in Deutschland nicht für sinnvoll, da unsere Welt in sämtlichen Bereichen globalisiert und digitalisiert wird und ein bewusster Umgang mit sozialen Medien gelernt werden muss. Außerdem fördern die richtigen Sozialen Medien Austausch, Inspiration und freie Meinungsbildung. Allerdings halte ich viele Plattformen, Algorithmen und Inhalte unangemessen für Kinder und Jugendliche. Deshalb bin ich gegen ein allgemeines Verbot, aber für strengere Regulierungen und ein Verbot bestimmter Apps wie TikTok. Lara, 16 Jahre, Niedersachsen
Wer soziale Netzwerke nutzt, setzt sich damit auch immer verschiedenen Gefahren aus. Der Aufbau der Plattformen macht es schwer, den eigenen Konsum selbst einzuschränken, weil sie eine unendliche Menge an Inhalten ausspielen, die algorithmisch ans eigene Interessenprofil angepasst werden. Diese Inhalte beeinflussen Meinungen und Handlungen. Auch Mobbing und Hate Speech in Kommentarspalten sind keine Seltenheit. Ein Verbot würde helfen, Kinder und Jugendliche vor solchen Gefahren zu schützen, gleichzeitig betreffen diese Probleme aber auch ältere Nutzer*innen und es wäre sinnvoll, die Anbieter durch strengere Richtlinien enger in die Verantwortung zu ziehen. Nicole, 22 Jahre, Saarland
Bild: Jugendpresse Deutschland / Ida Leinfelder
“Social Media sollte gesünder für alle werden, da es ein Raum für internationalen und intergenerationalen Austausch ist.” Alma, 18 Jahre, Berlin
Ich halte ein Social-Media-Verbot für die falsche Behandlung des Problems. Klar leiden viele unter, aber auch über, 16 Jahren unter Sucht- oder Missbrauchsproblemen im Zusammenhang mit Sozialen Medien, aber restriktive Politik war niemals eine passende Lösung. Stattdessen könnte man mehr Freizeitaktivitäten/Programme für unter 16-Jährige finanzieren und die digitale Sicherheit stärken. Soziale Medien sind weltweit wichtig für moderne Kommunikation, und ihr Verbot hätte nur regressive Folgen für jüngere Generationen. Mohamed, 22 Jahre, Berlin
Ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche ist sinnvoll und nötig. Es schützt Kinder und Jugendliche vor Abhängigkeit, den Folgen dieser, vor extremistischen Inhalte sowie vor kinder- und jugendgefährdenden Inhalten. Ein mögliches Verbot lässt sich allerdings durch VPN leicht umgehen. Die Frage ist dann, wie sehr dieses Verbot umsetzbar ist. Julius, 24 Jahre, Nordrhein-Westfalen
Social Media sollte gesünder für alle werden, da es ein Raum für internationalen und intergenerationalen Austausch ist. Ein Verbot für Jugendliche lässt nur die Grenzen zum Darknet verschwimmen und hält alle ab 16 oder 18 weiterhin süchtig und krank. Anders als bei anderen süchtigmachenden Substanzen haben wir ohne die Plattformen diese Mechanismen nicht und die sozialen Medien sind daher einfacher und effektiver zu regulieren als andere Drogen. Und auch wenn man den Umgang miteinander im Netz reguliert, müssen wir sehen, dass es immer auch der Umgang unter Menschen ist. Also sollten wir generell überlegen, wie wir alle besser miteinander, statt gegeneinander leben können. So insgesamt. Alma, 18 Jahre, Berlin
Auch wenn ich mittlerweile aus dem Alter heraus bin, in dem mich ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche direkt betreffen würde, lehne ich ein solches strikt ab. Große Social-Media-Plattformen dienen heute für einen erheblichen Teil der Jugend als wichtige Informationsquelle, über die das aktuelle Zeitgeschehen nahezu in Echtzeit verfolgt werden kann und die neue Möglichkeiten zur politischen Information und Meinungsbildung schaffen. Über soziale Medien konnten in den vergangenen Jahren etwa der Genozid in Gaza unmittelbar dokumentiert und weltweit sichtbar gemacht werden, wodurch viele junge Menschen Zugang zu Perspektiven erhielten, die in klassischen Medien teilweise weniger präsent waren. Clemens, 22 Jahre, Nordrhein-Westfalen
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