Klar.txt: Wahl­recht ab 16?

Datum
20. September 2026
Autor*innen
Ida Leinfelder , Jana Bringmann
Redaktion
politikorange
Themen
#Politik #Gesellschaft
Klar txt Wahlen ab 16 Titelbild 2

Bild: Ida Leinfelder

Meinungen aus der Redak­tion. 

Nr M26 wählen ab 16

In Deutsch­land herrscht beim Wahl­alter ein ganz schönes Durch­ein­ander: In elf Bundes­län­dern dürfen 16- und 17-Jährige bei Kommu­nal­wahlen mitbe­stimmen, in sechs Bundes­län­dern den Landtag mitwählen. Bei den Bundes­tags­wahlen darf man erst ab 18 Jahren abstimmen. Bei den Euro­pa­wahlen ab 16. Um das Wahl­alter zur Bundes­tags­wahl zu ändern, bräuchte es eine 2/​3‑Mehrheit im Parla­ment. Doch bisher scheitert’s an AfD und CDU /CSU. Beide haben in der Vergan­gen­heit immer wieder blockiert.

Befürworter*innen des Wahl­al­ters ab 16 Jahren sagen, dass sich die Stimm-Macht der älteren Gene­ra­tion durch den demo­gra­fi­schen Wandel verstärkt. Das heißt, die Stimmen der älteren Wähler*innen haben über­pro­por­tional viel poli­ti­sches Gewicht im Vergleich zur jungen Gene­ra­tion. 

Gegner*innen halten dagegen, jungen Menschen mangele es an Reife und sie seien poli­tisch leicht zu beein­flussen. Außerdem bezwei­feln sie, dass 16- und 17-Jährigen ausrei­chend poli­tisch infor­miert sind und befürchten, dass ein Wahl­recht zu große Verant­wor­tung mit sich bringen könnte. 

Insge­samt geht es um 1,3 Millionen poten­tiell Wahl­be­rech­tigte. Wir haben die Redakteur*innen der offenen Redak­tion gefragt, was sie zu einem Wahl­recht ab 16 halten. 

Das sagt die Redak­tion

“16- und 17-Jährigen das wich­tigste Recht unserer Demo­kratie vorzu­ent­halten, ist ein schwerer Fehler.” – Nicolas, 20 Jahre, Nieder­sachsen

In Zeiten, in denen junge Perspek­tiven in der Politik noch immer viel zu selten berück­sich­tigt werden, ist es richtig, das Wahl­alter auf 16 Jahre zu senken. Junge Menschen sind in diesem Alter in der Lage, sich eine eigene Meinung zu bilden und über­legte poli­ti­sche Entschei­dungen zu treffen. Schließ­lich sind sie dieje­nigen, die am längsten mit den poli­ti­schen Entschei­dungen der Gegen­wart leben müssen. Es ist nur gerecht, ihnen auch Mitbe­stim­mung zu ermög­li­chen. 

Doch nur beim Wahl­recht ab 16 darf es nicht bleiben. Junge Menschen müssen auch die Möglich­keit haben, für poli­ti­sche Ämter zu kandi­dieren. Sie brau­chen echte Chancen, Verant­wor­tung zu über­nehmen, anstatt aufgrund ihres Alters von vorn­herein ausge­schlossen zu werden. Dafür muss sich aber der Politk­be­trieb verän­dern. Erst dann kann man von wirk­li­cher Teil­habe und Gerech­tig­keit spre­chen. Leon, 19 Jahre, Rhein­land-Pfalz 

Ein Sammelartikel der offenen politikorange Redaktion5

“Kinder und Jugend­liche sind genau wie Erwach­sene Teil der Gesell­schaft und sollten deswegen das Recht auf Mitbe­stim­mung und Vertre­tung ihrer Meinung und Bedürf­nisse haben.” – Toni, 17 Jahre, Berlin

Ich denke, dass das Recht, über die eigene Zukunft mitzu­be­stimmen, nicht erst nach knapp zwei Jahr­zehnten auf dieser Welt zur Verfü­gung gestellt werden sollte. Natür­lich bin ich biased dadurch, dass ich jung bin und auch mit zwölf schon enttäuscht war, kein aktives Wahl­recht zu haben. Ich denke, dass ein aktives Wahl­recht auch nicht unbe­dingt an Alter geknüpft sein sollte. Insbe­son­dere, weil jüngere Menschen durch weniger gebur­ten­starke Jahr­gänge noch weniger Macht in elek­to­ralen Prozessen haben. 

Bei den U18 Bundestagswahlen gaben zehntausende Kinder und Jugendliche ihre Stimme ab.

Das passive Wahl­recht ist uns sinn­vol­ler­weise erst ab 18 Jahren zuge­standen. Schule, etc. sollten auch kein Nebenjob werden. Aber ich denke, die Absen­kung des Alters zum Mitwählen ist ein Schritt in die rich­tige Rich­tung. Die Angst vor Unmün­dig­keit ist nichts, das wir nur auf junge Menschen anwenden können und dementen Personen spre­chen wir auch nicht die Mitbe­stim­mung ab, sobald sie 90 werden. 

Menschen sind viel­fältig, auch was ihre poli­ti­schen Inter­essen angeht. Durch eine umfas­sende und ambi­tio­nier­tere poli­ti­sche Bildung, sowie eigene Erfah­rungen in der Praxis, wachsen nicht nur die jungen Menschen, sondern wir alle. (Und wegen der Extre­mis­mus­ängste: Die größte Wähler*innengruppe der AfD beispiels­weise waren bei der Bundes­tags­wahl 2025 die Zille­nials, nicht die Erstwähler*innen. Mal abge­sehen davon, dass niemand Wählende ausschließen sollte, nur weil sie nicht genehm wählen.) Alma, 18 Jahre, Berlin.

16- und 17-Jährigen das wich­tigste Recht unserer Demo­kratie vorzu­ent­halten, ist ein schwerer Fehler. Poli­ti­sche Bildung ist nicht an ein Alter gebunden. Junge Menschen enga­gieren sich in viel­fäl­tiger Form poli­tisch. Nur, wenn es wirk­lich zählt, dürfen sie nicht. Das Wahl­alter herab­zu­setzen, wäre in hohem Maße demo­kra­tie­för­dernd, weil es das Recht auf Mitbe­stim­mung ausweiten würde – und zwar auf die Menschen, die die Zukunft bestimmen werden. Und demo­kra­tie­för­dernde Maßnahmen sind genau das, was wir gerade brau­chen. Nicolas, 20 Jahre, Nieder­sachsen 

“Viele Jugend­liche fühlen sich mit ihren Sorgen und Anliegen von Poli­ti­kern aktuell nicht wahr­ge­nommen. Ein Wahl­er­laubnis ab 16 würde das ändern.” – Lilli, 18 Jahre, Bayern

Das Wahl­alter sollte auf 16 Jahre herun­ter­ge­setzt werden. Kinder und Jugend­liche sind genau wie Erwach­sene Teil der Gesell­schaft und sollten deswegen das Recht auf Mitbe­stim­mung und Vertre­tung ihrer Meinung und Bedürf­nisse haben. Insbe­son­dere, weil es sich bei ihnen um eine von der Politik vernach­läs­sigte Gruppe handelt. Zwar wird immer gerne gesagt, dass man zum Wohle der Jugend handle, doch nach ihrer Einschät­zung werden sie nicht gefragt und oft sind diese Hand­lungen nicht im wirk­li­chen Inter­esse der Jugend. 

Vor allem zu einer Zeit des demo­gra­phi­schen Wandels, in der die Mehr­heit aus älteren Menschen besteht, ist es wichtig, dass Kindern und Jugend­li­chen nicht nur eine Stimme gegeben wird, sondern viel­mehr die Möglich­keit, ihre eigene Stimme zu nutzen. Nur so kann in unserer Demo­kratie tatsäch­lich die Meinung aller, des gesamten Volkes, Gewicht haben, und nicht nur die, der Privi­le­gierten. Toni, 17 Jahre, Berlin 

Der Artikel ist im Rahmen der offenen Redaktion entstanden. Bei Fragen, Anregungen, Kritik und wenn ihr selbst mitmachen mögt, schreibt uns eine Mail an redaktion@jugendpresse.de 


Empfohlene Beiträge

Werde Teil unserer Community!

Entdecke spannende Geschichten, vernetze dich mit anderen jungen Journalist*innen und gestalte die Medienlandschaft von morgen mit. Entdecke jetzt unsere zahlreichen Angebote:

Wehrpflicht Redaktion Gruppenbild