Meinungen aus der Redaktion.
In Deutschland herrscht beim Wahlalter ein ganz schönes Durcheinander: In elf Bundesländern dürfen 16- und 17-Jährige bei Kommunalwahlen mitbestimmen, in sechs Bundesländern den Landtag mitwählen. Bei den Bundestagswahlen darf man erst ab 18 Jahren abstimmen. Bei den Europawahlen ab 16. Um das Wahlalter zur Bundestagswahl zu ändern, bräuchte es eine 2/3‑Mehrheit im Parlament. Doch bisher scheitert’s an AfD und CDU /CSU. Beide haben in der Vergangenheit immer wieder blockiert.
Befürworter*innen des Wahlalters ab 16 Jahren sagen, dass sich die Stimm-Macht der älteren Generation durch den demografischen Wandel verstärkt. Das heißt, die Stimmen der älteren Wähler*innen haben überproportional viel politisches Gewicht im Vergleich zur jungen Generation.
Gegner*innen halten dagegen, jungen Menschen mangele es an Reife und sie seien politisch leicht zu beeinflussen. Außerdem bezweifeln sie, dass 16- und 17-Jährigen ausreichend politisch informiert sind und befürchten, dass ein Wahlrecht zu große Verantwortung mit sich bringen könnte.
Insgesamt geht es um 1,3 Millionen potentiell Wahlberechtigte. Wir haben die Redakteur*innen der offenen Redaktion gefragt, was sie zu einem Wahlrecht ab 16 halten.
Das sagt die Redaktion
“16- und 17-Jährigen das wichtigste Recht unserer Demokratie vorzuenthalten, ist ein schwerer Fehler.” – Nicolas, 20 Jahre, Niedersachsen
In Zeiten, in denen junge Perspektiven in der Politik noch immer viel zu selten berücksichtigt werden, ist es richtig, das Wahlalter auf 16 Jahre zu senken. Junge Menschen sind in diesem Alter in der Lage, sich eine eigene Meinung zu bilden und überlegte politische Entscheidungen zu treffen. Schließlich sind sie diejenigen, die am längsten mit den politischen Entscheidungen der Gegenwart leben müssen. Es ist nur gerecht, ihnen auch Mitbestimmung zu ermöglichen.
Doch nur beim Wahlrecht ab 16 darf es nicht bleiben. Junge Menschen müssen auch die Möglichkeit haben, für politische Ämter zu kandidieren. Sie brauchen echte Chancen, Verantwortung zu übernehmen, anstatt aufgrund ihres Alters von vornherein ausgeschlossen zu werden. Dafür muss sich aber der Politkbetrieb verändern. Erst dann kann man von wirklicher Teilhabe und Gerechtigkeit sprechen. Leon, 19 Jahre, Rheinland-Pfalz
“Kinder und Jugendliche sind genau wie Erwachsene Teil der Gesellschaft und sollten deswegen das Recht auf Mitbestimmung und Vertretung ihrer Meinung und Bedürfnisse haben.” – Toni, 17 Jahre, Berlin
Ich denke, dass das Recht, über die eigene Zukunft mitzubestimmen, nicht erst nach knapp zwei Jahrzehnten auf dieser Welt zur Verfügung gestellt werden sollte. Natürlich bin ich biased dadurch, dass ich jung bin und auch mit zwölf schon enttäuscht war, kein aktives Wahlrecht zu haben. Ich denke, dass ein aktives Wahlrecht auch nicht unbedingt an Alter geknüpft sein sollte. Insbesondere, weil jüngere Menschen durch weniger geburtenstarke Jahrgänge noch weniger Macht in elektoralen Prozessen haben.
Das passive Wahlrecht ist uns sinnvollerweise erst ab 18 Jahren zugestanden. Schule, etc. sollten auch kein Nebenjob werden. Aber ich denke, die Absenkung des Alters zum Mitwählen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Angst vor Unmündigkeit ist nichts, das wir nur auf junge Menschen anwenden können und dementen Personen sprechen wir auch nicht die Mitbestimmung ab, sobald sie 90 werden.
Menschen sind vielfältig, auch was ihre politischen Interessen angeht. Durch eine umfassende und ambitioniertere politische Bildung, sowie eigene Erfahrungen in der Praxis, wachsen nicht nur die jungen Menschen, sondern wir alle. (Und wegen der Extremismusängste: Die größte Wähler*innengruppe der AfD beispielsweise waren bei der Bundestagswahl 2025 die Zillenials, nicht die Erstwähler*innen. Mal abgesehen davon, dass niemand Wählende ausschließen sollte, nur weil sie nicht genehm wählen.) Alma, 18 Jahre, Berlin.
16- und 17-Jährigen das wichtigste Recht unserer Demokratie vorzuenthalten, ist ein schwerer Fehler. Politische Bildung ist nicht an ein Alter gebunden. Junge Menschen engagieren sich in vielfältiger Form politisch. Nur, wenn es wirklich zählt, dürfen sie nicht. Das Wahlalter herabzusetzen, wäre in hohem Maße demokratiefördernd, weil es das Recht auf Mitbestimmung ausweiten würde – und zwar auf die Menschen, die die Zukunft bestimmen werden. Und demokratiefördernde Maßnahmen sind genau das, was wir gerade brauchen. Nicolas, 20 Jahre, Niedersachsen
“Viele Jugendliche fühlen sich mit ihren Sorgen und Anliegen von Politikern aktuell nicht wahrgenommen. Ein Wahlerlaubnis ab 16 würde das ändern.” – Lilli, 18 Jahre, Bayern
Das Wahlalter sollte auf 16 Jahre heruntergesetzt werden. Kinder und Jugendliche sind genau wie Erwachsene Teil der Gesellschaft und sollten deswegen das Recht auf Mitbestimmung und Vertretung ihrer Meinung und Bedürfnisse haben. Insbesondere, weil es sich bei ihnen um eine von der Politik vernachlässigte Gruppe handelt. Zwar wird immer gerne gesagt, dass man zum Wohle der Jugend handle, doch nach ihrer Einschätzung werden sie nicht gefragt und oft sind diese Handlungen nicht im wirklichen Interesse der Jugend.
Vor allem zu einer Zeit des demographischen Wandels, in der die Mehrheit aus älteren Menschen besteht, ist es wichtig, dass Kindern und Jugendlichen nicht nur eine Stimme gegeben wird, sondern vielmehr die Möglichkeit, ihre eigene Stimme zu nutzen. Nur so kann in unserer Demokratie tatsächlich die Meinung aller, des gesamten Volkes, Gewicht haben, und nicht nur die, der Privilegierten. Toni, 17 Jahre, Berlin
Der Artikel ist im Rahmen der offenen Redaktion entstanden. Bei Fragen, Anregungen, Kritik und wenn ihr selbst mitmachen mögt, schreibt uns eine Mail an redaktion@jugendpresse.de
