3 Tage Schule, Tesla und der digi­tale Haus­meister – Maurice Heil­mann

Datum
01. November 2022
Autor*in
Tobias P
Redaktion
politikorange
Themen
#Aktive #Engagement von nebenan
Die Tesla Gigafactory in Grünheide

Die Tesla Gigafactory in Grünheide

Elon Musk / Twitter

Von der Schüler*innenvertretung über den Kinder- und Jugend­beirat zur Gremi­en­ar­beit – Maurice Heil­mann kennt seine Gemeinde und Land­kreis. Ob nun Lobby­ar­beit für einen digi­talen Haus­meister“ oder die Förde­rung von Jugend­be­tei­li­gung, Maurice wirbt für seine Ideen und ist immer offen für Vorschläge.

Das ist Maurice Heil­mann. Er ist 20 Jahre alt und studiert an der Univer­sität Potsdam Politik, Verwal­tung und Orga­ni­sa­tion. Er kommt aber nicht aus Potsdam, sondern aus Grün­heide. Grün­heide ist eine Gemeinde östlich von Berlin und mitt­ler­weile welt­weit bekannt, denn dort steht Elon Musks Giga­fac­tory Berlin-Bran­den­burg. Der Elek­tro­au­to­bauer Tesla ist nun Nachbar von Maurice aus Bran­den­burg.

Wo enga­giert sich Maurice und was moti­viert ihn zu dazu? Was ist der digi­tale Haus­meister und wieso ist die Zahl 20.000 so bedeu­tend für sein Enga­ge­ment? Ein Besuch bei dem Student in Grün­heide klärt auf.

Grün­heide und Tesla

Kaum in Grün­heide holt mich Maurice vom Bahnhof ab. In einem kleinen Hundai fahren wir durch die Gegend. Der Student aus Grün­heide kennt die Region wie seine Westen­ta­sche. Der Enthu­siast von Tesla fährt mit mir direkt zum Tesla-Werk und erzählt viele Details der Anlage. Grün­heide ist, wie der Name ahnen lässt, sehr grün und hat große Wald­flä­chen. Eine dieser Flächen sollte Indus­trie­ge­biet werden und 2001 hätte fast BMW dort eine Fabrik errichtet. Kriti­sche Stimmen in Grün­heide entgegnen dem Indus­trie­ge­biet von Bran­den­burg, dass dieses Gebiet sich teil­weise auf Wasser­schutz­ge­biet befindet und eine Groß­fa­brik allge­mein die Wasser­knapp­heit in Bran­den­burg verschärfen kann. Nun steht auf dieser großen Wald­fläche das Tesla-Werk. Das hat Bran­den­burg dem Wirt­schafts­mi­nister zu verdanken“, so Maurice. Der Wirt­schafts­mi­nister von Bran­den­burg, Jörg Stein­bach, hat sich sehr für das Werk einge­setzt und wirt­schaft­lich würde die ganze Gemeinde Grün­heide im Land­kreis Oder-Spree von dem Werk profi­tieren.

Durch die Nieder­las­sung des ameri­ka­ni­schen Auto­mo­bil­her­stel­lers entwickle sich die Region sichtbar weiter. Es gibt neue Auto­bahn­auf­fahrten und ein neuer Bahnhof ist im Gespräch. Jedoch kommen nicht alle mit dieser Entwick­lung hinterher oder denken zu schnell. So schickte Google Maps einige Menschen in Grün­heide über eine Straße, die für das Tesla-Werk geplant war, aber noch nicht exis­tiert. Weiter erzählt Maurice von einem Radweg, der bei der Giga­fac­tory entstehen soll. Mit weiteren Enga­gierten hatte er ein Konzept mit u. a. Solar­platten für diesen Radweg ausge­ar­beitet. Den Radweg wirds bald geben, aber viele Ideen aus dem Konzept wurden als zu teuer abge­stem­pelt.

Drei Tage Schule und zwei Tage Enga­ge­ment

Woher kommt aber die Moti­va­tion, sich über die eigene Region so zu infor­mieren und aktiv mitzu­ge­stalten? Über seine Eltern jeden­falls nicht, erzählt Maurice mit einem Lachen. Beide Eltern­teile sind unpo­li­tisch und wollen nach langen Arbeits­tagen abends sich eher entspannen, als sich über ander­wei­tige Probleme den Kopf zu zerbre­chen. Sein Enga­ge­ment fing in der achten Klasse in der Vertre­tung der Schü­ler­schaft an. Über ein paar Wege reak­ti­vierte er den Kreis­schü­lerrat in Ebers­walde und wurde Landes­schü­ler­spre­cher in Bran­den­burg. Maurice reprä­sen­tierte und sprach für rund 300.000 Schüler*innen aus Bran­den­burg. Zu dieser Zeit besuchte er das Carl-Bech­stein-Gymna­sium in Erkner. Nach eigenen Beschrei­bungen kam es in der Zeit zu verrückten Wochen. Ich war drei Tage in der Schule und zwei Tage in Potsdam“. Es kam schon mal vor, dass Maurice am Tag eine Pres­se­an­frage bekam und direkt aus der Schule gegangen ist, um in der Haupt­stadt von Bran­den­burg Pres­se­ter­mine wahr­zu­nehmen. Diese Wochen­pla­nung gefiel nicht jedem Lehr­körper, denn zufällig war Maurice bei ausge­wählten Fächern leider nicht in der Schule.

Enga­ge­ment und 20.000 Tage

Neben Grün­heide ist also Potsdam sein zweites Zuhause. Umso verständ­li­cher, dass er nach einem 1,0er Abitur an der Uni Potsdam studiert. Für ihn ist Potsdam genug weit weg, damit seine Eltern nicht merken, wenn er was vermas­selt, aber immer noch nah genug, um in der Nähe von Grün­heide zu sein. Maurice studiert seit Oktober 2021 und enga­giert sich als gewähltes Mitglied bei der Studie­ren­den­ver­tre­tung seines Studi­en­fa­ches. Selbst ist er noch Spre­cher des Kinder- und Jugend­bei­rats Grün­heide und arbeitet als Assis­tent in der Jugend­ko­or­di­na­tion im Amt für Familie, Bildung, Kultur in der Gemeinde Grün­heide. Parallel zu all dem ist er im Vorstand des Alumni-des-Parla­men­ta­ri­schen-Part­ner­schafts-Programms für die interne Kommu­ni­ka­tion zuständig. Das alles hört sich nach viel Arbeit an, aber Maurice macht so was gerne.

Auf die Nach­frage, wodurch er sich moti­viere, antwortet Maurice mit der Zahl 20.000. Wir leben 20.000 Tage. Das ist doch wenig, oder?“ Nur 20.000 Tage können wir auf der Erde etwas verän­dern. Maurice habe unter anderem deswegen Bock, etwas zu bewegen. In den 20.000 Tagen auf der Erde soll keine Zeit verloren gehen, so ist auch seine Einstel­lung zu neuen Projekten anders: Ich frage nicht, ob es geht, sondern wie es geht“. Er habe etwas gegen Menschen, die immer grund­sätz­lich gegen eine Idee sind.

Digi­taler Haus­meister“

Jeder kennt ihn: den Informatik-Raum in der Schule. Maurice fordert ein 'Digitalen Hausmeister.

Jeder kennt ihn: den Informatik-Raum in der Schule. Maurice fordert ein 'Digitalen Hausmeister.

Lizenzfrei

Maurice beschreibt sich eher als Struk­tur­mensch und ist lieber im Hinter­grund für seine Ideen am werben. So fordert er schon seit der Schul­zeit einen digi­talen Haus­meister“ an den Schulen. Diese Forde­rung hat er so oft und bei jeder Möglich­keit ange­spro­chen, dass mitt­ler­weile viele Lokalpolitiker*innen den Begriff des digi­talen Haus­meis­ters“ verin­ner­licht und diesen mit Maurice verknüpft haben. Man kennt mich schon“, erzählt er. Unter dem digi­talen Haus­meister“ versteht Maurice eine*n Haus­meister *in an Schulen, der*die sich um die ganze IT der Schule kümmert. Von Computer, Laptops, Tablets oder Schüler*innen, die am laufenden Band Pass­wörter vergessen, soll diese Stelle abge­kop­pelt von den Infor­matik-Lehr­kräften exis­tieren. Bisher müssen diese Lehr­kräfte die IT-Systeme betreuen und auch noch guten Unter­richt machen. Maurice hat die Forde­rung so oft in Beiräten und Gremien geäu­ßert, dass seine Lobby­ar­beit“ wirkt.

Heute pendelt der Student aus Bran­den­burg zwischen Grün­heide und Potsdam. Seit Oktober 2022 arbeitet er an einem Lehr­stuhl der Poli­tik­wis­sen­schaft und will sich auch weiterhin überall einbringen. Was Maurice später werden möchte, verrät er nicht, aber man wird von ihm hören!


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